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 The Unbreakable Truth 11 - 21

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Sisilia
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BeitragThema: Re: The Unbreakable Truth 11 - 21   Do Feb 07, 2008 9:18 pm

Harry war sich sicher, dass diese, das jetzt letzte, noch existierende Horcrux war. Das bedeutete, zuerst musste die Schlange vernichtet werden, vorher würde Harry Voldemort nicht töten können.
Die kleine Truppe vom Schloss war nun schon auf wenige hundert Meter an sie herangekommen und als Harry an den Blicken der Todesser erkannte, dass er wohl nicht mehr alleine hier war, drehte er den Kopf und sah auch kurz zurück.
„Bleibt stehen. Das ist eine Sache zwischen mir und Voldemort. Es muss kein weiteres Blut vergossen werden, wenn wir das unter uns regeln.“
Kingsley hob den Arm und stoppte die Gruppe, die sich stattdessen etwas weiter auseinander fächerte und die Todesser, wie die andern Menschen und Wesen argwöhnisch betrachteten. Alle hatten nun ihre Zauberstäbe in der Hand und ihre Augen fixierten die ihrer Gegner.
„Harry Potter, der Held, der sich für seine Freunde opfern will. Wie edel.“ Voldemorts Stimme klang höhnisch, ja förmlich sarkastisch, als wollte er Harry sagen, dass auch sein Opfer ihn nicht aufhalten würde.
Harry mit seinen roten Augen musternd, hob er die Hand mit dem Zauberstab und richtete sie ihm entgegen. Auch Harry riss seine Hand mit dem Stab hoch und nun deutete die Spitze seines Zauberstabes auf Voldemorts Brust. Doch das schien den Dunklen nicht zu beeindrucken, stattdessen löste er sich aus der kleinen Gruppe und ging ein paar Schritte auf Harry zu.
„Bringen wir es zu Ende, Harry Potter. Ich bin es leid. Zuerst werde ich dich töten, dann werden meine Leute deine Freunde umbringen, sollten sie sich weiterhin gegen mich stellen. Und ich werde zusehen, wie sie alle, einer nach dem anderen sterben und dir in den Tod folgen.“
In dem Moment bewegte sich Snape und machte einen Schritt nach vorn. Auch Voldemort nahm die Bewegung wahr, sie schien ihn zu irritieren, doch machte er nur eine knappe Handbewegung, die Snape stoppen sollte. Dieser hielt auch inne, doch wandte er sich an Harry.
„Mit den Brüderzauberstäben, haben Sie nie eine Chance, Potter!“, warnte er ihn und deutete auf Harrys Zauberstab.
Voldemort stieß ein gefährliches Zischen aus, wirbelte herum entriss Lucius seinen Stab und richtete diesen auf den immer noch verdutzten Harry Potter.
Doch genau in diesem Moment passierten mehrere Dinge auf einmal.
Neben Harry erschien eine Gestalt aus dem nichts. Sie trug einen langen hellen silbergrauen Umhang und gleich nachdem der Mann sich mit einer Hand die Kapuze vom Kopf gerissen hatte, warf er Harry seinen Zauberstab zu, der ihn reflexartig auffing wie einen Schnatz, den er beim Quidditch fing.
Doch nicht das Erscheinen des Mannes alleine, ließ alle … wirklich alle, bis auf einen Mann - was in dem Moment aber keiner registrierte -, hier anwesenden Kreaturen erstarren. Diesen Moment nutzte der alte, schon längst tot geglaubte Weißhaarige aus.
„Harry, das ist deine Chance“, rief Albus Dumbledore ihm zu und wandte sich dann an Snape.
„Severus, die Schlange! Du musst sie töten“, wies er den ehemaligen Lehrer an, der sofort, ohne zu fragen seinen Zauberstab auf diese richtete.
Doch die Schlange hatte wohl die Gefahr erahnt, oder hatte Voldemort ihr einen Befehl auf Parsel gegeben? Sie richtete sich vor dem schwarzgekleideten Mann auf, zischte mit der gespaltenen Zunge und zeigte ihre spitzigen scharfen Zähne, die sie eine Sekunde später in Severus Seite stieß. Der Schmerz musste höllisch sein, dennoch drang nicht mehr als ein ersticktes Keuchen aus seinem Mund. Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er seinen Zauberstab auf das Tier, dessen Zähne sich immer noch in sein Fleisch bohrten. Ein dunkelroter, nach außen hin gelber werdender Feuerstrahl schoss aus seinem Stab hervor und umschloss den Körper der Schlange, die sich noch versuchte von Snape loszumachen, um dem tödlichen Fluch zu entkommen.
Ein lauter, schriller und sehr wütender Aufschrei klang in dem Moment über das Gelände und mit einem teuflischen Blick, wandte Voldemort sich jetzt Harry zu.
„Erst werde ich vollenden, was ich vor 17 Jahren begonnen habe, dann ist der alte Mann dran“, zischte er und jagte einen Fluch auf Harry, der diesen aber geschickt abwehrte.
Der Aufschrei von Voldemort riss Sisilia aus ihrer Schreckensstarre. Sie stieß sich ab und flog von dem Baum herunter, wo sie schließlich zwischen ihrem Großonkel und Severus landete, sich dann sofort zurückverwandelte und im selben Moment neben Snape war, als dessen Knie nachgaben und er keuchend auf dem Boden sank.
Sie bekam nur am Rande den erbitterten Kampf mit, den sich Harry Potter und Voldemort lieferten. Sie selber zog Severus in ihre Arme und begann seine Jacke zu öffnen. Sie musste ihm helfen, so schnell wie möglich.
„Was tust du?“, keuchte er leise und sah zu ihr hinauf, den Kopf in ihrem Schoß gebettet.
„Die Jacke öffnen, ich muss die Blutung stillen. Dann bring ich dich in den Krankenflügel.“
Doch Severus fing ihre Hand ein und hielt sie auf. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich habe bereits viel zu viel von dem Gift der Schlange in meinem Körper. Du … kannst nichts mehr tun. Ich konnte Nagini nur so töten, weil nur in dem Moment, wenn sie zubiss, der Schutzzauber von Voldemort, den er auf sie gelegt hatte, nicht mehr wirkte.“
„Nein, das … kann nicht sein. Wir werden dir helfen. Albus ist der größte Magier der Zeit, er wird dich retten, so wie du ihn gerettet hast.“ Sie entwand ihm ihre Hand und öffnete die Jacke, die sie dann einfach zur Seite schob. Das Hemd darunter war blutdurchtränkt und die Wunde sah noch schlimmer aus, als sie zuerst gedacht hatte. Nagini hatte ihm das Fleisch förmlich herausgerissen und schubweise, im Takt, wie sein Herz schlug, quoll neues Blut aus der Wunde. Hektisch presste sie die Hand darauf, wollte damit den Blutverlust aufhalten.
Hinter ihr fand ein heftiger Kampf statt und weder Voldemort noch Harry, waren bereit klein bei zu geben.
„Harry wird es schaffen. Er muss es schaffen. Denn sonst wäre alles umsonst gewesen“, flüsterte Severus leise und Sisilia merkte bereits, wie ihm die Kräfte weiter schwanden.
Sie hatte sich so auf Severus konzentriert, dass sie nicht mitbekam, dass Harry und Voldemort sich von ihnen entfernt hatten. Auch nicht, dass die anderen Todesser sich in den Kampf mit eingemischt hatten, und auch nicht, dass eine Gruppe von Schülern, angeführt von Neville Longbottom den Auroren und den Ordensmitgliedern zur Hilfe kamen.
Die DA. Dumbledores Armee.
Charlie, der wohl den Kampflärm gehört hatte, war auch ohne das Signal mit dem Drachen aufgebrochen und das keine Sekunde zu spät, denn die Riesen, rannten aus dem Wald und wollten den Anhängern des Lords helfen. Aber der Drache trieb sie mit seinem heißen langen Feuerstrahl, immer wieder zurück in den Wald.
Selbst die von Albus Dumbledore gerufenen Zentauren, die den Todessern in den Rücken fielen, bemerkte sie nicht.
Hätte Dumbledore nicht mit Hilfe eines Zauberstabes, den er einem Toten abgenommen hatte, einen Schild um die beiden aufgebaut, hätte der eine oder andere verirrte Fluch, die zwei Menschen mit Sicherheit getroffen.
Sisilia riss das Hemd von Severus auf, richtete ihren Zauberstab auf die Wunde und versuchte sie zu schließen, wenigstens soweit, dass er nicht noch mehr Blut verlor und mit der Zeit gelang es ihr auch. Severus hingegen ließ sie machen, er beobachtete ihr Gesicht, blickte in ihre grünen Augen und auch, wenn er wusste, dass er die nächste Stunde nicht überleben würde, lächelte er.
Heftig atmend sah sie ihn wieder an, sah in seine dunklen Augen, die sie so sehr faszinierten.
„Küss mich, Sil. Küss mich noch einmal“, flüsterte er. Sie war immer noch den Tränen nah, tief in sich drin, wusste sie, dass er sterben würde, auch wenn ihr Herz und ihr Verstand sich weigerten, das zu akzeptieren. Zitternd neigte sie sich zu ihm hinunter und küsste ihn, was sie vorsichtig tat. Er hingegen schob eine Hand in ihren Nacken und zog sie fester zu sich herunter, presste seine Lippen fordernder auf die Ihren und stahl ihr diesen letzten, wunderbaren Kuss. Entkräftet ließ er sie dann los und sein Kopf sank wieder in ihren Schoß zurück.
„Hello darkness my old Friend, … I’ve come to talk to you again”, begann er leise und sichtlich heißer zu singen. Dann wurde sein Körper von Kämpfen geschüttelt, ausgelöst durch das Gift der Schlange. Dennoch lächelte er weiterhin Sisilia zu.
„Diesmal werde ich wohl meinen alten Freund begleiten. Sil …“, er begann zu husten und verzog für einen Moment unter Schmerzen das Gesicht. „Danke, danke dafür, dass du mich gelehrt hast, was wirkliche Liebe ist.“ Seine Finger glitten sanft über ihre Wange, wischten ihr die Tränen aus dem Gesicht, die sie nun nicht länger hatte zurückhalten können.
„Weine nicht, mein Sonnenschein. Du … warst das Beste, was mir je passiert ist und … hab keine Angst. Ich … hab auch keine mehr. Um die Worte deines Onkels zu gebrauchen. Der Tod ist nur eine Reise zu neuen Abenteuern, in einer andern Welt.“
Nun war es mit Sisilias Beherrschung vorbei. Dass hinter ihr die Menschen aufjubelten, einige Todesser die Flucht ergriffen, weil Harry ihren Meister diesmal endgültig besiegt hatte, drang nicht in ihr Bewusstsein vor. Doch Severus merkte es … sein Mal auf dem linken Unterarm … es hatte aufgehört zu brennen. In dem Moment, als Lord Voldemort seinen letzten Atemzug getan hatte.
„Es ist vorbei. Er hat es geschafft. Die Welt kann von nun an in Frieden leben“, flüsterte er kaum hörbar.
„Ich liebe dich.“
„Ich … liebe … dich.“ Seine Worte waren nur noch ein Hauchen, dann schloss er das letzte Mal die Augen und sein Körper erschlaffte ganz in ihren Armen.
„Nein! Nein … Severus. Lass mich hier nicht so zurück. Das kannst du nicht machen.“ Sie begann ihn verzweifelt zu schütteln, doch er reagierte nicht mehr. Er war tot, war von ihr gegangen, hatte sie einfach alleine zurückgelassen. Vom Schmerz überrollt, zog sie ihn erneut in ihre Arme und hielt ihn fest. Sie begann sich mit ihm hin und her zu wiegen, wie eine Mutter, die ihr Kind im Arm wiegte, bis sie irgendwann eine Hand auf ihrer Schulter spürte, was sie heftig zusammenzucken ließ.
„Sisilia, es ist vorbei“, sagte Albus leise, kniete sich neben sie und versuchte ihr den toten Körper mit seiner gesunden linken Hand aus den Armen zu ziehen. Doch sie klammerte sich immer noch an ihn, wollte es einfach nicht wahrhaben, wollte den Schmerz nicht fühlen, und schüttelte nur heftig den Kopf.
Dann trat noch eine Gestalt neben sie.
Charlie.
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und zwang sie dazu, ihn anzusehen.
„Ich habe es schon lange geahnt, dass du ihn liebst. Irgendwie wusste ich es. Sis… Ich denke er hat jetzt seinen Frieden verdient. Lass ihn … gehen, Kleines. Um deinet und seinet Willen. Lass ihn gehen!“
„Ich kann nicht … Ich kann nicht.“
„Doch du kannst. Sis. Es ist vorbei. Harry hat den Lord besiegt und der Krieg ist vorbei. Genau das war es, was Snape doch wollte. Er wollte helfen, dass Harry tun konnte, was dieser tun musste.“
Albus Dumbledore entzog Sisilia nun den toten Körper sanft und legte ihn vorsichtig auf dem Boden vor sich ab.
„Er war der mutigste und tapferste Mann, den ich kannte. Er hat einmal in seinem Leben einen fürchterlichen Fehler gemacht und dafür den Rest seines Lebens gebüßt. Er hat seine Schuld mehr als beglichen. Auch wenn ich mir für ihn gewünscht hätte, dass er auch noch ein glückliches Leben ohne Schuld hätte führen können. Aber eines ist klar. Er war am Ende glücklich. Glücklich durch dich mein Kind.“
Dumbledores Stimme hatte so etwas Vertrautes, etwas Tröstendes, so dass sie schließlich nickte und sich von Charlie aufhelfen ließ. Noch einmal ging ihr Blick zu Severus, sie wollte sich erneut aus einem Impuls heraus neben ihn werfen, doch Albus, sowie Charlie hielten sie davon ab und führten sie schließlich ins Schloss zurück.
Alle wollten von dem ehemaligen Schulleiter eine Erklärung haben, doch dieser bat sich Zeit aus. Er versprach später in die Große Halle zu kommen und ihnen alles Nötige und Wichtige erzählen.
Charlie und Albus führten Sisilia hinauf in ihr Zimmer. Ein Hauself brachte auf Albus Dumbledores Befehl hin eine Kanne Tee und als Sisilia neben Charlie, der seinen Arm um ihre Schulter gelegt hatte, auf dem Sofa saß und sie an dem Tee nippte, setzte sich Dumbledore ihnen gegenüber.
„Was ist mit Severus Leichnam“, fragte sie schließlich mit schwacher Stimme in die Stille hinein.
„Keine Sorge, es wird sich jemand um ihn kümmern.“ Dumbledore blickte seine Großnichte einen Moment sehr besorgt an. „Dir geht es gut?“
„Ich … weiß nicht. Wie soll es einem gehen, dem das Herz aus dem Leib gerissen wurde“, sagte sie leise und starrte wieder in die Teetasse, doch dann sah sie auf. „Wirst du mir sagen, warum du alle in dem Glauben gelassen hast, dass du tot bist? Warum alle denken sollten, dass Sev dich ermordet hat?“
Ihre Frage war direkt und klang fast wie eine Anschuldigung.
„Ich denke, ich bin nicht nur dir eine Antwort schuldig, sondern allen. Sisilia, ich hatte mit Severus das Ganze abgesprochen. Es war alles geplant.
Ich wusste das ganze letzte Schuljahr über schon, dass jemand immer wieder versuchte, mich zu töten. Ich hatte einige Vermutungen, wovon eine sich schließlich bestätigt hatte. Ich hatte Severus gebeten, mich zu töten, wenn es notwendig werden würde. Na ja, so zu tun, als ob.
Wie du ja weißt, wirkt ein Todesfluch nur, wenn man es wirklich so meint.
Auf dem Turm war ich von Draco entwaffnet worden. Er hatte den Auftrag mich zu töten. Diese Last, diese Bürde war zu viel für den Jungen. Die Maulende Myrte hatte mir schließlich von den Gesprächen erzählt, die Draco Malfoy mit ihr geführt hatte. Ich wusste, er würde es nie tun können und der Lord würde den Jungen dafür büßen lassen. So fasste ich den Entschluss und bat Severus um seine Hilfe. Zuerst erklärte er sich bereit, doch irgendwann wurde ihm bewusst, was für Auswirkungen diese Tat auf ihn und sein Leben haben würde, er wollte es nicht mehr, doch ich ließ ihm keine andere Wahl, ich zwang ihn sein Versprechen, das er mir am Anfang gegeben hatte, zu halten.
Er war der Einzige, der gewusst hatte, dass ich noch lebe. Auch wenn ich meinen Tod so theatralisch inszeniert hatte, dass sogar er am Anfang glaubte, ich wäre wirklich gestorben. Ich stürzte ja, wie du weißt vom Turm. Doch wartete Fawks auf mich, der mich auffing und verhinderte, dass mein Körper am Boden zerschellte. Auch heilte er mich von dem Gift, das in meinen Adern floss. Ich bekam davon nichts mit, da ich das Bewusstsein verloren hatte. Alle die mich später unten am Fuß des Turmes liegen sahen, glaubten natürlich, dass ich nicht mehr lebte. Und so auch Severus. Er glaubte, dass etwas schiefgelaufen war, dass er einen Fehler gemacht hatte.
Das war wohl gerade die Zeit, als du ihn das erste Mal getroffen hast, wie er mir später berichtete. Du erinnerst dich sicher, dass er sich hatte gehen lassen, dass er fast schon aufgegeben hatte? Nun ja. Ich setzte mich mit ihm dann in Verbindung und von da an … nun du weißt es ja selber.
Zu Beginn war ich nicht wirklich erfreut, dass du gerade jetzt nach England zurückgekommen warst. Aber nachdem du Harry angeboten hattest, in das Gästehaus zu ziehen, war ich mehr als froh darüber. So konnte ich über euch beide wachen und dich auch ab und an auf Harry ansetzen, um ein Auge auf ihn zu haben. Deshalb wollte ich dich auch damals treffen. Weißt du noch auf der Klippe?“

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Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun! Cornelia Funke (Tintenherz)

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BeitragThema: Re: The Unbreakable Truth 11 - 21   Do Feb 07, 2008 9:20 pm

„Auf der Klippe?“, fragte sie jetzt überrascht nach, nachdem sie ihm bei seiner Ausführung genau zugehört hatte. „Aber dort war doch nur Sev …“, dann weiteten sich ihre Augen. „Du warst das? Du hast seine Gestalt angenommen?“
Jetzt huschte kurz ein sanftes Lächeln über das Gesicht des alten Mannes, der den Ärmel seines Umhangs wieder ein Stück weiter über seinen schwarzen Arm zog, um diesen zu verbergen.
„Das war nicht das einzige Mal, dass ich das Gespräch mit dir gesucht hatte. Und es fiel mir weiß Gott nicht immer leicht, dich nicht einfach in meine Arme zu schließen und dir zu sagen, wer ich wirklich bin. Einmal musste ich mir auch einen Trick einfallen lassen, wie ich in dein Haus kam, denn nur Severus konnte es ja betreten. Aber meine alten Gehirnzellen hatten sogar eine Idee, auf die du zu meinem Glück hereingefallen bist.“
Jetzt wurde Sisilia etwas verlegen und ihre Gedanken rasten wie ein Wirbelwind. Wie oft war ihr Großonkel in der Gestalt Severus bei ihr gewesen? Was hatte er mitbekommen von ihnen beiden? Sie zupfte nervös an ihrem Rock herum.
„Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich irgendwann dahinter kam, dass du und er … dass ihr beide Gefühle füreinander entwickelt hattet. Doch einmal, nach einer sehr … stürmischen Begrüßung von dir, die ich wohl sehr distanziert erwidert hatte, bat ich Severus um Aufklärung.“
„Dann warst du auch der vierte Mann, der mit Großvater, Harry und mir den Fidelius auf mein Haus gelegt hat?“
Der alte Mann nickte und lächelte leicht.
„Du hast mir Informationen über die Bilder zukommen lassen, und du hast auch das Bild von Harrys Eltern und dir ins Haus geschmuggelt?“
Wieder ein Nicken von Dumbledore, der kurz auch zu Charlie blickte, der einfach nur da saß und den beiden bei ihrem Gespräch folgte.
„Und Severus Einbruch in Hogwarts …“
„Nein, das war seine Idee. Ich war zu Anfang nicht wirklich begeistert davon, doch er hat mich schließlich überzeugt und recht gehabt. Der Plan ging ganz und gar auf. Doch die Idee mit der Katze, die kam von mir und kostete mich auch eine Menge Überredungskunst, aber ich denke am Ende war er mehr als froh, diesen Vorschlag durchgeführt zu haben, denn so konnte er auf dich aufpassen und in deiner Nähe sein.“
„Er war diese schwarze Katze?“, hakte Charlie nach, dem nicht nur ein Licht, sondern ein ganzer Kerzenleuchter aufzugehen schien.
„Deshalb war es auch möglich, dass Snape und die Katze gleichzeitig auf meinem Sofa saßen. Du warst er und er war eine Katze. Deshalb legte er sich auf deinen Schoß und ließ sich von dir kraulen.“
„Ja, das ist richtig. Auch damals, als ich dich in den Verbotenen Wald gebeten hatte. Ich hatte das getan, ohne mit Severus darüber zu reden, er war dir gefolgt, ist dir das aufgefallen?“
„Ich … stimmt ich hatte irgendwo in der Dunkelheit für einen Moment ein Augenpaar entdeckt gehabt.“
„Ja, das war Severus. Er … hat dich wirklich geliebt. Es gab davor nur einen Menschen, den er ebenso geliebt hatte. Eine Jugendliebe, die unter anderem durch seine Schuld ums Leben kam und auch der Grund war, warum er sich schließlich und endlich von Voldemort abgewendet hatte. Das Wissen über seine Gefühle war es, was mich dazu gebracht hatte, ihm zu vertrauen. Von Beginn an. Doch auch die Jahre der Loyalität, die er mir gegenüber bewiesen hatte, verstärkten mein Vertrauen und festigten sich in dem Moment, als er mir mein Leben gerettet hatte, das ich durch meine eigene Dummheit aufs Spiel gesetzt hatte.“ Sein Blick ging zu seinem schwarzen Arm. „Ein niedriger Preis, für ein paar weitere Monate Leben, findest du nicht?“
„Er hat den Tod verkorkt“, flüsterte Charlie jetzt und sein Blick wanderte von Albus Dumbledores Hand in dessen Gesicht.
„Ja. So kann man es wohl ausdrücken. Er war ein exzellenter Magier, der es sicher noch hätte weit bringen können, mit der richtigen Anleitung und vielleicht der richtigen Frau an seiner Seite? Ich habe ihn noch nie so glücklich gesehen, wie in den letzten Wochen, glaube mir.“
Die hellblauen Augen von Albus glänzten leicht, aber er versuchte seine Gefühle nicht zu verbergen. Er hatte das Gefühl, als hätte er einen guten Freund oder gar einen Sohn verloren.
„Severus Zauber wird nicht ewig halten. Es ist eher eine Art Aufschub, ein Geschenk um noch einige wichtige Dinge in meinem Leben zu ordnen, bevor ich mich auf die Reise in das nächste Leben begeben werde. Ich fürchte mich nicht davor. Im Gegenteil. Es steckt auch etwas Freude darin, weil ich dann hoffentlich die Menschen wieder sehen werde, die diese Reise schon vor mir antreten mussten.“
Keiner sagte daraufhin ein Wort und als Sisilia leicht zu zittern begann, zog Charlie sie vorsichtig in seine Arme und spendete ihr vorsichtig Trost.

Das tat er nicht nur an diesem Tag, nachdem Dumbledore sich verabschiedet hatte, um die andern unten in der Großen Halle zu informieren. Er tat es auch die nächsten Tage und Wochen. Er war immer an ihrer Seite, wenn sie jemanden brauchte, und gab ihr ihre Freiheiten, wenn sie danach verlangte.
Es gab einige Beerdigungen, von Freunden, die ihr Leben lassen mussten im Kampf gegen Voldemort und seine Leute. Doch keine war für Sisilia so hart und so schmerzvoll, wie die von Severus.
Sie selber hatte darauf bestanden alles zu organisieren, sogar die Hilfe ihres Onkels hatte sie abgelehnt. Nur Charlie durfte sie ab und an begleiten. Sie wählte den Ort, den Tag und auch den Grabstein mit seiner Inschrift, suchte sie selbst aus. Schwarzer Marmor, mit einer schwarzen Rose an der Seite. Schlicht, nicht zu auffällig.


Severus Snape

9. Januar 1960 – Mai 1997

Liebe

stärker als der Tod

erschafft sie wahre Helden



Das waren die Worte, die auf dem Grabstein standen. Menschen, die Bescheid wussten, wussten, was diese Worte sagen sollten.
Als dann auch diese Beerdigung vorbei war, die große Trauerfeier in Hogwarts in der Großen Halle beendet war, gingen Sisilia und Charlie über das Schlossgelände etwas spazieren.
„Du hast nach Severus Tod gesagt, dass du geahnt hattest, dass ich und er …“, fragte sie ihn schließlich direkt. Sie sprachen seit dem Endkampf immer offen und ehrlich miteinander, und jeder schien vom andern alle Geheimnisse zu kennen. Nun ja, fast alle.
„Ja. Ich weiß auch nicht. Du … hast mich immer nur bis zu einem gewissen Punkt an dich herangelassen und dann auf einmal wieder weggeschickt, wie jemand, der ein schlechtes Gewissen hatte. Dann Snapes Patronus, eure … Vertrautheit. Dein blindes Vertrauen in ihn. Ich … konnte mir einfach nicht vorstellen, dass du ihm so aus heiterem Himmel vertraust, vor allem, nachdem doch jeder glaubte, er hat deinen Großonkel getötet.“
„Ich war wohl sehr naiv, was?“, fragte sie mit einem sanften Lächeln.
„Nein, du warst verliebt, doch du konntest es gut verstecken.“
„Aber nicht vor dir.“
„Nein, nicht vor mir. Vielleicht weil ich …“
Nun blieb sie stehen und sah ihn an. Ihr Blick blieb an seinen Augen hängen. Sie waren so klar, so offen und sie konnte die Worte, die er nicht aussprach, so deutlich in ihnen lesen, als wären sie ein offenes Buch.
„Charlie … ich … auch ich habe Gefühle für dich. Die hatte ich schon vom ersten Tag an, auch wenn mir das erst jetzt bewusst wird, doch …“
„Ich habe schon verstanden. Mehr als Freundschaft wird wohl nie zwischen uns sein.“
„Würdest du mich vielleicht ausreden lassen, bevor du irgendwelche Schlüsse ziehst?“
Nun war sein Blick irritiert und unsicher, was ein Schmunzeln auf ihre Lippen zauberte.
„Charlie ich empfinde mehr für dich, als nur für einen Freund. Und wer weiß, vielleicht, wenn du weiterhin so hartnäckig bleibst …“
„Heißt das, ich darf weiter um dich werben? Willst du damit sagen, dass du dir vorstellen könntest, dass du und ich, dass wir … eventuell?“
Anstatt einer Antwort nahm sie sein Gesicht in ihre Hände und gab ihm einen sanften Kuss auf die Lippen.
Sein Blick war Gold wert. Zuerst runzelte er die Stirn und schien die Worte, die sie ihm gerade gesagt hatte noch einmal zu durchdenken, dann hellte sich sein Blick auf, seine Augen wurden groß und er zog sie an sich, um sie noch einmal zu küssen.
„Hey. Langsam mit den Pferden“, stoppte sie seinen Enthusiasmus etwas. „Ich … brauche noch ein bisschen Zeit.“
„Du bekommst alle Zeit der Welt, Sisilia. Alle Zeit der Welt. Doch dann werden wir heiraten und Kinder haben. Sagen wir zwei. Ich will keine ganz so große Familie, wie wir es bei mir zuhause waren, aber ein Kind ist zu …“
Nun stemmte Sisilia die Hände in die Hüften und sah Charlie warnend an.
„Charlie Weasley. Das ist ja schrecklich mit dir. Ich reiche dir den kleinen Finger und …“
„Und ich nehme mir gleich die ganze Frau“, beendete er den Satz und sah sie mit einem liebevollen unschuldigen Hundeblick an, der einen Stein erweichen lassen würde. „Böse?“
Das Lachen, das jetzt bis über den See zu hören war, war hell und wunderschön.
„Nein, Charlie. Dir kann niemand böse sein. Ganz sicher nicht.“

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