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 The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)

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Sisilia
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BeitragThema: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   So Jun 29, 2008 8:34 pm

The Ravenman





Geht es euch auch manchmal so, dass ihr das Gefühl habt:
„Hab ich das nicht schon Mal genau so erlebt?“

Denkt ihr manchmal nicht:
„Ich weiß genau, was jetzt gleich passiert oder was jemand antworten wird?“

Wer hatte nicht schon mal so ein Déjà vu!

Doch wem ist es schon passiert, dass er so etwas zum dritten Mal erlebt?
Ist das nicht schon höhere Magie oder ein Fluch?
Vielleicht die Rache des Schicksals?
Oder doch nur dummer Zufall?

Wer kann das sagen …



Kapitel 1. Endlich Urlaub





„Oh Serenity, fang doch nicht schon wieder an. Wir sind hier, um mal endlich richtig Urlaub zu machen und zu relaxen. Warst nicht du es, die hoch und heilig versprochen hat, keine Arbeit, keine Recherchen und keine Schreiberei.“ Die Stimme des dunkelhaarigen Mannes, gerade Anfang vierzig, mit dem schmalen und doch sehr männlichen Gesicht, zeigte deutlich, dass er nicht einverstanden war, mit dem was ich vorhatte. Dennoch wollte ich mich nicht davon abbringen lassen. Da half auch der treue, bettelnde Hundeblick aus den blauen Augen nicht.
„Sicher mache ich Urlaub, aber die Sache ist doch ganz lustig und es interessiert mich einfach. Ich mag geheimnisvolle Geschichten. Und was ist dabei, wenn ich einfach noch ein bisschen nachhake. Vielleicht lässt sich daraus irgendwann eine nette Story machen?“
„Ich wusste es, es geht schon wieder ums Schreiben. Und schon ist der schöne Urlaub dahin, und das schon am zweiten Tag. Wenn man die Ankunft gestern Abend hier schon mit einrechnet.“
„Josua ... Du weißt, dass ich mit Leib und Seele schreibe. Ich kann nicht aus meiner Haut. Und ein paar Infos sammeln heißt ja nicht, dass ich mich gleich an meinen Laptop setzte und loslege. Na komm schon, mach jetzt nicht so ein Gesicht. Ich will mich doch nur ein bisschen umhören, und wenn ich weiß, was ich wissen will, dann machen wir weiter mit dem „Urlaub“, versprochen.“ Während ich das sagte, band ich mir meine langen rötlichen Haare zu einem frechen jugendlichen Pferdeschwanz zusammen. Doch Josuas einzige Reaktion war die, dass er die breiten Schultern hängen ließ und aufseufzte.
„Ich hatte gehofft, wir beide würden heute ins Schwimmbad gehen. Das soll wirklich der Hammer sein, hat man mir gesagt. Mit allem, was man für einen gemütlichen Wellnesstag braucht.“
„Nach dem Mittagessen bin ich gern dabei. Eine Massage, ein Whirlpool und ein bisschen Schwimmen nach der Sauna, ist genau das, was mir auch vorschwebt.“
Der Gedanke an dies alles gefiel mir tatsächlich sehr gut und mein Blick, den ich für einen Moment aufgesetzt hatte, zeigte ihm, dass ich es ernst meinte.
Josua war ein augenscheinlich gut aussehender Mann, groß, kräftig und muskulös. Er achtete darauf, dass er kein Gramm Fett zu viel auf dem Körper hatte, und trainierte deshalb auch regelmäßig in einem Fitnessstudio.
Irgendwie konnte ich nicht verstehen, warum er immer wieder versuchte gerade mich anzugraben. Ich war weder so hübsch, wie seine Bienen, die er ab und an anschleppte, noch hatte ich diese Modellfigur, auf die er abfuhr. Außerdem war ich nur zwei Jahre jünger als er, also um einiges reifer, als seine bisherigen Eroberungen; wobei ich mich bei manchen von denen doch ab und an fragte, ob sie wirklich schon volljährig waren.
Mein Blick wanderte zum Spiegel, der in dem Hotelzimmer direkt neben der Türe hing und ich fuhr mir mit meinem zartbraunen Lippenstift nochmal die Konturen nach. Meine grünen Augen blickten mir entgegen und ich musste, wenn ich gerade schon dem Gedankengang gefolgt war, zugeben, dass ich für mein Alter doch noch recht passabel aussah, wenn man nicht so genau hinsah und die einzelnen kleinen Falten ignorierte, die sich um die Augen schon gebildet hatten. ‚Nur Lachfalten’, sagte meine Kosmetikerin immer, ‚die zählen nicht’.
„Was mach ich dann solange?“, holte Josua mich aus meinen Gedanken.
„Du kannst ja was für deinen Körper tun und Joggen gehen“, meine Finger stupsten gegen seinen Bauch, den er gleich anspannte und ich deutlich fühlen konnte, was für kräftige Bauchmuskeln er besaß. Erneut seufzte er resigniert auf und mit einem Schulterzucken gab er sich schließlich geschlagen.
„Ok, ok. Geh du recherchieren, du gibst ja eh keine Ruhe. Ich werde eine Runde durch den Wald drehen. Wenn ich dabei aber ein paar hübsche Mädchen treffe, bist du selber schuld.“
„Mach das, Don Juan“, antwortete ich ihm lachend. Mir war klar, dass er mit dieser Aussage nur versuchen wollte, mich eifersüchtig zu machen, was er aber nicht schaffen konnte, denn ich mochte Josua nur als Freund oder vielleicht wie einen Bruder. Es würde nie was zwischen uns laufen, wenn auch das Angebot recht appetitlich war, das konnte ich nicht leugnen.
Dennoch hatte ich nicht vor, eine seiner Trophäen zu werden. Dafür mochte ich ihn viel zu sehr. Er war, trotz allem, ein Mensch, auf den man sich verlassen konnte, und der immer ein offenes Ohr hatte.
Mit einem Kuss auf seine Wange verabschiedete ich mich, griff nach meiner dunklen und auf Figur geschnittenen, langen Jacke und verließ das Zimmer. Josua würde ganz gut alleine zurechtkommen, und bis es Mittag war, würde er mir garantiert auch nicht mehr böse sein, so gut kannte ich ihn.
Ja, wir kannten uns schon viele Jahre. Sogar noch aus der Zeit, als ich selber noch verheiratet gewesen war. Doch vor knapp acht Jahren hatte ich meinen Mann verlassen, etwa zu der Zeit, als ich auch beruflich Erfolg hatte. Es war eine harte und auch schöne Zeit, und inzwischen war ich glücklich, so wie es war. Ich kam viel rum, konnte tun und lassen was ich wollte und war keinem Rechenschaft schuldig, außer vielleicht dem Finanzamt.
Langsam trat ich, während ich mir die Jacke überzog, hinaus in die morgendliche goldene Sonne. Einen Moment blieb ich stehen und wandte mein Gesicht der Wärmequelle zu, wobei ich die Augen schloss einen tiefen Atemzug von der reinen schottischen Bergluft nahm.
Wieder wanderten meine Gedanken zu dem Gespräch, das ich mit dem Wirt unserer kleinen Pension heute Morgen gehabt hatte und welches nun der Grund war, warum ich Josua für diesen Vormittag eine Abfuhr erteilt hatte.
Der ältere Schotte, der irgendwie für mich aussah, wie ‚der Schotte’ schlechthin - halblange graue Haare, verhärmtes Gesicht, ledergegerbte Haut mit einem kleinen Bauchansatz, dennoch besaßen seine Augen etwas sehr Freundliches, fast etwas Schalkhaftes.
An diesem Morgen, als er uns das Frühstück brachte, hatte er uns von einem alten Einsiedler erzählt, der schon viele Jahre irgendwo unentdeckt in den Highlands wohnte und sich nur ein oder zwei Mal im Jahr hier unten im Dorf zeigte, um Lebensmittel und Kleidung einzukaufen. Der Wirt hatte uns berichtete, dass es einige geheimnisvolle Geschichten über diesen Mann geben würde, den sie alle den Ravenman, also den Rabenmann nannten. Der Grund war der, dass ihn fast immer ein Rabe begleitete. Entweder auf seiner Schulter sitzend oder er war irgendwo in seiner Nähe, auf einem Baum oder einem Hausdach. Doch keiner wusste wirklich etwas von ihm, weder seinen richtigen Namen, noch woher er kam.
Und das … genau das war es, was mich an dieser Geschichte reizte.
Warum lebte er einsam und scheinbar versteckt in den Bergen?
Was tat er die ganze Zeit?
Und wer war er? Was war seine Geschichte?
Fragen über Fragen schossen durch meinen Kopf, und mit jeder Frage wuchs eine weitere empor, wie bei diesen alten Drachengeschichten, wo für jeden Kopf, dem man einem Drachen abschlug, mindestens zwei neue Köpfe nachwuchsen.
Die Neugier war in mir erwacht und ich war mir sicher, dass ich mehr über ihn erfahren würde. Doch niemals hätte ich erwartet, dass diese Geschichte, die Aufregendste, meines Lebens werden würde.
Doch wenn ich ehrlich bin, war es nicht nur meine aufregendste Geschichte, sondern auch die von 5 Jungen und Mädchen, im Alter von 11 bis 15 Jahren …



Meinungen höchst erwünscht, auch kurze!

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Mit Zauberei hat das Geschichtenschreiben eben auch zu tun! Cornelia Funke (Tintenherz)

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Zuletzt von Sisilia am Mo Jun 22, 2009 12:15 am bearbeitet; insgesamt 7-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mo Jul 07, 2008 8:57 pm

Kapitel 2. Ein Potter kommt selten allein




Schnell zog Harry, mindestens zum fünften Mal an diesem Vormittag, den Kopf ein, als eine Eule über ihn hinwegflog und völlig erledigt mitten auf dem Esszimmertisch, direkt vor dem fast 15 jährigen James, der gleichzeitig auch ihr Besitzer war, landete. Er war gerade dabei gewesen, zusammen mit seinen Geschwistern Sandwiches zu belegen, welche sie für unterwegs mitnehmen wollten.
„Ihr seht euch doch in nicht mal zwei Stunden. Könnt ihr euch nicht dann austauschen? Deine arme Eule wird noch einen Schlag bekommen oder wegen Überanstrengung tot umfallen.“
Er deutete auf den Vogel, der immer noch nach Atem ringend sein Bein zu James, dem ältesten Sohn der Potterfamilie ausstreckte.
„Ach Dad, vielleicht wollen sie ja, dass sie wir noch etwas mitbringen.“ Diese Worte hatte Al gesprochen. Eigentlich hieß er Albus Severus und war der zweite Sohn der Familie Potter. Ein Jahr jünger als James und der einzige der Potterkinder, der seinem Vater ähnlich sah. Dieselben dunklen struwweligen Haare und die gleichen grünen Augen, die auch seine Oma gehabt hatte.
„Ihr werdet doch nur im Garten von Ron und Hermine zelten, was braucht ihr denn da um Himmelswillen alles?“, wollte Harry wissen.
„Nun ist doch klar, Dad“, diesmal antwortete das kleinste Kücken der Potters, Lily Potter. Ihre roten Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden und mit ihren beinahe 12 Jahren war sie schon überaus selbstständig. Dabei hatte sie gerade erst ihr erstes Jahr in Hogwarts hinter sich gebracht. Sie hatte immer ein offenes Ohr für alles und jeden und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. „Wir dürfen doch außerhalb von Hogwarts nicht zaubern und deshalb müssen wir vorher an alles denken“, erklärte sie und es klang irgendwie altklug aus ihrem Mund.
„Aber wenn ihr etwas braucht, könnt ihr doch auch Ron oder Hermine bitten, sie dürfen schließlich zaubern.“
„Dad! Wir wollen aber nicht laufend zu ihnen rennen müssen. Wir wollen so gut wie möglich die Woche selbstständig verbringen“, erklärte James leicht genervt.
„Ah ja. Ich verstehe. Ihr seid groß genug und wollt uns das beweisen?“
„Du hast es erfasst, Dad. Schließlich hattest du in unserem Alter schon schwierigere Abenteuer bestehen müssen. Dann werden wir wohl eine Woche im Garten von Ron und Hermine überstehen.“
„Jetzt wird mir so einige klar. Dann packt besser noch ein paar Pflaster ein. Es könnte ja durchaus sein, dass ihr einem dieser schrecklichen Gnome begegnet, der einem von euch in den Finger beißen könnte. Das sind ganz üble Kerle, müsst ihr wissen.“
Die Drei sahen zuerst sich gegenseitig und dann ihren Vater an, als wäre er nicht ganz dicht im Kopf. Natürlich hatte keiner von ihnen Angst vor Gartengnomen. Doch bevor James seinem Dad widersprechen konnte, packte Lily ihn an seinem Arm.
„Gute Idee, Dad. Die Gnome sind im Sommer besonders aggressiv.“ Dann ließ sie zwei verdutzte Brüder und einen überraschten Vater in der Küche stehen.
„HARRY POTTER!“
Heftig zuckte der Benannte zusammen und blickte auf die aufgebrachte Ginny, die in der Türe stand und die Hände in die Hüften gestemmt hatte, wobei sie ihn in dem Moment sehr an ihre Mutter, Molly Weasley erinnerte.
„Ich glaube es ja nicht. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, die Koffer stehen noch immer oben und der Herr hält gemütlich ein Schwätzchen, während uns die Zeit davon fliegt.“ Ihre schönen braunen Augen funkelten gefährlich in dem Moment.
„Ich hab doch nur …“, begann er, doch Ginny bedachte ihn mit einem warnenden Blick, woraufhin er mit den Schultern zuckte und gleich nach oben verschwand, um die Koffer zu holen.
„Und für euch hoffe ich, dass ihr auch in 10 Minuten im Flur seid, fertig zum Aufbruch. Denn euer Bus wartet nicht auf euch. Nicht auszudenken, wenn ihr den verpassen würdet.“
Fahrig stöhnte Ginny bei dem Gedanken auf, und als ihr scheinbar etwas eingefallen war, drehte sie auf dem Absatz herum und hetzte nochmal nach oben.
Dies war die erste große Urlaubsreise für Harry und Ginny, nachdem sie geheiratet hatten. Es sollte eine Schiffsreise werden. Ruhig und erholsam, ohne Aufregungen, einfach nur entspannen.
Doch zuvor mussten sie noch die Kinder zum Bus bringen, die bei Ron und Hermine die ersten zwei Wochen in diesen Sommerferien verbringen würden. Eine davon wollten sie ganz alleine im Garten campen und auch für sich selber sorgen. Zuerst waren Harry und Ginny skeptisch gewesen doch, als die Kinder immer wieder mit den Argumenten kamen, dass sie zum einen alt genug waren, Harry hätte in ihrem Alter schon mehrmals gegen Voldemort gekämpft gehabt und wäre ihm jedes Mal entkommen, zum andern wären Ron und Hermine ja in der Nähe, wenn sie Hilfe brauchten, konnten sie nicht anders als ihr Einverständnis zu geben.
Rose hatte auf dem Dachboden von ihren Eltern ein altes Zelt gefunden und war deshalb auf die Idee mit dem Campen gekommen. Sie hatte ja keine Ahnung, dass es genau das Zelt war, in dem Ron, Hermine und Harry in der Zeit, bevor Voldemort besiegt worden war, herumgezogen waren.

Lily hatte nicht nur Pflaster in ihren Rucksack eingepackt, sondern ein ganzes Sortiment an Erster Hilfe Utensilien.
„Was willste denn damit?“, fragte James misstrauisch, als er ihr dabei zusah, wie ihr Rucksack sich noch weiter ausbeulte.
„Ganz einfach James, es könnte doch sein, dass sich jemand unterwegs verletzt, ausrutscht, hinfällt oder sich an einem Ast aufkratzt. Wir sollten auf alles vorbereitet sein. Du wirst dort in den Bergen keine Madam Pomfrey haben, die dir einen Trank oder eine Salbe verabreicht.“
„Oh Lils, du hörst dich schon an wie die ach so supergescheite Rose Weasley. Ich hab nicht vor mir den Hals zu …“
„Sprich nicht so über Rose“, fauchte Albus seinen Bruder an. Die Augen von Al sprühten in dem Moment warnend zu James und er hatte die Hände zu Fäusten geballt.
„Ach, was ist dann Al? Willst du dich mit mir prügeln?“, fragte James und hob auch seine Fäuste an. Es sah irgendwie lächerlich aus, denn James war bereits einen Kopf größer als Al, der gerade erst anfing, in die Höhe zu schießen.
Doch bevor sich die beiden die Köpfe einschlagen konnten, hatte sich Lily zwischen sie gestellt und sah von einem zum andern.
„Sag mal, habt ihr einen Knall? Wir wollen gleich los. Und ihr beide habt versprochen, dass ihr euch benehmen werdet. Wenn wegen eurer dummen Zankerei, die ganze Sache schief geht, dann …“
Weiter kam sie nicht, den in dem Moment streckte Harry den Kopf zur Türe herein.
„Ich würde euch empfehlen ganz schnell eure Rucksäcke zu nehmen und nach unten zu kommen. Bevor eure Mutter noch wütender wird.“
Noch bevor sie etwas antworten konnten, war ihr Dad auch schon wieder verschwunden und sie sahen sich nur kurz alle an. Ohne ein weiteres Wort packten die Jungs ihre Sachen, wobei jeder noch einen Schlafsack unter den Arm klemmte und gingen zur Tür.
James gab Al noch einen kleinen Stoß, so dass er schließlich derjenige war, der zuerst das Zimmer verließ und lief dann auf die Treppe zu, die nach unten führte.
„Idiot“, brummte Al und ging ihm schließlich nach. Lily war schnell bei ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Lass dich nicht immer von ihm provozieren, dann wird er auch damit aufhören.“
„Das wird er sicher niemals tun“, brummte Al, dessen Lauen nun etwas gesunken war.
„Mach nicht so ein Gesicht, bald werden wir Rose und Hugo treffen“, versuchte sie ihn aufzumuntern und der Gedanke an Rose schaffte das wirklich und zauberte sogar ein schüchternes Lächeln auf seine Lippen. Er und Rose verstanden sich sehr gut, sie … waren irgendwie auf einer Wellenlänge.

„Oh gut. Dann bringen wir die Kinder zum Bus und anschließend rufen wir das Taxi. Ich hoffe nur, der Bus hat keine Verspätung. Harry, wir können immer noch auf den Fahrenden Ritter um …“
„Jetzt beruhige dich Ginny. James ist 15 Jahre alt, Al 14 und Lily 12. Die Drei werden es doch wohl schaffen in einen Bus zu steigen und nach 5 Haltestellen wieder auszusteigen“, beschwichtigte Harry sie jetzt und Ginny nickte leicht nervös.
„Tut mir leid Harry. Ich … weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich war nicht mal bei unserer Hochzeit so aufgeregt“, entschuldigte sich Ginny sichtlich aufgelöst.
„Schon gut Mum. Wir gehen jetzt zum Bus und dann geht ihr beide in Urlaub. Wird dir sicherlich sehr gut tun.“
Es war James, der das gesagt und damit alle Blicke auf sich gezogen hatte. Denn gerade von James hätte sie das am allerwenigsten erwartet. Dennoch schlang Ginny ihre Arme um ihren ältesten Sohn und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Worauf wartet ihr noch. Ich hoffe ihr habt jetzt alles?“ Harry nahm seiner Tochter den Rucksack ab und Al und James noch ihre Schlafsäcke. Dann schob er alle, auch seine immer noch ziemlich nervöse Frau zur Türe hinaus und ging mit ihnen dann nur zwei Straßen weiter, wo die Bushaltestelle war.
„Ihr werdet euch benehmen, verstanden? Ich will von Ron und Hermine keine Beschwerden hören, wenn wir zurück sind. Wenn was sein sollte, sie wissen, wie man uns erreichen kann. Doch ich hoffe, dass das nicht der Fall sein wird.“
Auf dem ganzen Weg mussten sich die Drei anhören, dass sie sich benehmen sollten, und ob sie auch wirklich alles dabei hatten.
Zum Glück war der Weg nicht weit und der Bus auch pünktlich. Jeder von ihnen bekam noch einen Kuss auf die Stirn, eine letzte Ermahnung von ihrer Mutter, bevor sie in den Bus einstiegen. Harry hingegen hatte jedem von ihnen noch etwas Geld in die Hand gedrückt, ohne dass es Ginny gesehen hatte, und ihnen eine schöne Zeit gewünscht.
Harry hatte für die Drei bezahlt und so mussten sie nur noch durch den Bus gehen und sich einen Platz suchen. Sie wählten die Rückbank, die komplett frei war, warfen ihre Rucksäcke in die Ecke, und als der Bus losgefahren war, winkten sie noch ihren Eltern, die solange an der Haltestelle stehen geblieben waren, bis sie außer Sicht waren.
„Endlich. Ich dachte schon, das würde nie ein Ende nehmen“; erklärte Al, und wischte sich Wangen und Stirn, wo seine Mum ihn geküsst hatte, mit dem Ärmel seine Jacke ab.
„Ich hoffe es ist euch allen klar: Jetzt geht es los ins Abenteuer“, erklärte James mit stolzgeschwellter Brust.
„Wo wollten wir uns mit Rose und Hugo treffen?“, fragte Lily nochmal nach und kramte eine Karte aus ihrem Rucksack heraus.
„Haben wir doch schon so oft durchgesprochen. Wir fahren bis Cloudchester, das ist 4 Stationen von hier. Und dort treffen wir dann die beiden. Dann Umsteigen auf Linie 16 und ab geht’s ins große unbekannte Abenteuer. Endlich!“
James lehnte sich selbstzufrieden in den Sitz zurück, denn in seinen Augen war dieser Plan genial!

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Fr Aug 01, 2008 4:53 pm

Kapitel 3 Tales of the Hills of Glenorchy





Der kleine Ort Glendaruel, der wohl höchstens 300 Einwohner besaß, lag ruhig da in der morgendlichen Sonne. Mein Blick wanderte langsam die Straße entlang, die nicht besonders breit war, doch lagen die einzelnen Häuser immer etwas weiter auseinander, so dass es dennoch nicht eng wirkte. Direkt gegenüber unseres Gasthofes befand sich ein kleines altes Gebäude mit einer alten bogenförmigen Eichentüre, die kleine quadratische Fenster hatte, sechs an der Zahl. Ein großes grün gestrichenes Schild über der Türe verkündete, dass sich dort die Apotheke und auch gleichzeitig das Postamt befand. Doch weder das eine, noch das andere war mein Ziel. Ich suchte nach dem Ladengeschäft und ein kleiner Schwenk mit dem Kopf die Straße runter reichte, um mein Ziel ausfindig zu machen. Es war ein alter Bau, an dem man mit Putz und Mörtel versucht hatte, die alte Steinfassade zu verstecken, die aber durch Wind und Wetter wieder an den verschiedensten Stellen deutlich zum Vorschein gekommen war. Eine breite Treppe mit einem Eisengeländer führte zum Eingang hinauf. Dorthin wandte ich meine Schritte, langsam, nicht zu hastig, denn ich wollte nicht auffallen. Urlauber hatten immer viel Zeit.
Eine kleine Glocke ertönte, welche durch das Öffnen der Türe angestoßen wurde, als ich den Laden betrat. Im ersten Moment glaubte man von den vielen Regalen mit den vielen verschiedenen Waren, die dort gelagert wurden, erschlagen zu werden. Es schien hier nichts zu geben, was es nicht gab. Angefangen von Schnürsenkeln, Nähzubehör, Töpfen, Teller, alles, was in einem Haushalt eben wichtig war. Dann gab es auch eine Ecke mit Werkzeugen sowie anderen Gerätschaften und schließlich eine Abteilung mit Lebensmitteln. Ich ging langsam durch die Reihen, sah mich in Ruhe um, bis ich an einer kleinen Theke vorbei kam, an der sich die Verkäuferin, die Käse, Wurst und Fleisch in der Auslage hatte, mit zwei anderen Frauen, eine so alt wie ich, die andere hätte ihre Mutter sein können, über eine weitere Frau aus dem Ort unterhielt. Ich bekam nur mit einem Ohr mit, dass es wohl darum ging, dass man nicht wusste, wer der Vater des Kindes dieser Frau sein sollte.
Als sie mich bemerkten, hielten sie inne und beäugten mich misstrauisch. Ich griff schnell nach einer Tüte mit sauren Drops, grüßte freundlich lächelnd und ging dann weiter. Erst als die drei Frauen glaubten, ich könnte sie nicht mehr hören, sprachen sie weiter. Ich hörte nicht mehr viel, nur dass die Ältere von einem Touristen faselte, während die Verkäuferin eher auf einen Burschen aus dem Dorf tippte, ja sogar andeutete, dass der Vater dieses Kindes, ein verheirateter Familienvater sei.
Während meine Blicke weiter über die Regale wanderten, meine Ohren noch halb bei den Ladies waren, entdeckte ich einen alten Mann, der neue Ware in ein Regal räumte. Weiße, buschige Haare, die mich an Albert Einstein erinnerten. Er war hager und in dem alten faltigen Gesicht, hatte er zwei graue, sehr lebendige Augen, die mich eingehend musterten, als sie mich erblickt hatten. Der Mann stellte die kleine Kiste mit dem Käse darin an die Seite und nickte mir zu.
„Kann ich etwas für Sie tun, Mam?“ Seine Stimme war angenehm und hatte einen zuvorkommend Ton.
Im Nachhinein hätte ich nicht mehr sagen können warum, aber ich mochte den Mann auf Anhieb. „Ich wollte nur etwas … zum Naschen“, sagte ich und überlegte fieberhaft, wie ich das Thema auf den Rabenmann lenken konnte. Doch dann entdeckte ich hinter dem Alten in einem Regal ein Fläschchen, mit einem Etikett, worauf witzigerweise ein kleiner Rabe abgebildet war. Muskeltonikum stand unter dem Bildchen.
Der Weißhaarige vor mir schien alt zu sein, ich tippte auf gut über siebzig, aber er war noch verdammt fit und sehr verkaufstüchtig, wie ich gleich feststellen durfte. Er hatte meinen Blick bemerkt und hielt mir die kleine Flasche sofort unter die Nase.
„Das ist etwas ganz Besonderes. Ich benutze es auch und ich bin dadurch fit wie ein junger Kerl. Es kostet nur 20 Pfund. Für das, was es kann, ist es geradezu geschenkt.“
Im ersten Moment hörte er sich an, wie ein Marktschreier, der irgendeinen Müll unter die Leute bringen wollte, doch er zog tatsächlich ein ebensolches Fläschchen aus seiner Hosentasche, es war angebrochen und die grauen Augen leuchteten begeistert. So nahm ich es in die Hand und betrachtete es genauer. Das Etikett war von Hand beschriftet, und auch der Rabe von Hand darauf gezeichnet, mit sehr viel Mühe, wie mir schien.
„Woher haben Sie das?“ Da ich keine Firmen oder Herstellerzeichen erkennen konnte, war diese Frage mehr als berechtigt. Zuerst wollte der Mann nicht reden, doch dann blickte er sich nach den Frauen um, ob sie auch noch beschäftig waren. Doch die steckten immer noch die Köpfe zusammen und so begann er leise zu reden.
„Von einem alten Einsiedler. Er verkauft viele solcher Dinge. Er kommt ein oder zwei Mal im Jahr von den Bergen herunter und bietet seine selbst hergestellten Öle und Tinkturen an. Mit dem, was er dafür bekommt, kauft er sich dann Lebensmittel, Kleidung oder was er eben so alles braucht. Nun ja, sagen wir so, er tauscht es eher, denn wenn er es verkaufen würde, dann bekäme er womöglich Probleme mit dem Finanzamt. Es ist meine letzte Flasche. Und ich fürchte er wird erst wieder im Herbst hier herunterkommen.“
„Herunter kommen? Er lebt also in den Bergen?“
„Ja irgendwo in den Hills von Glenochy. Es wird vermutet in der Nähe des Creed Flusses. Aber diejenigen, die nach ihm bisher gesucht hatten, haben ihn nicht gefunden. Keiner von ihnen. Es ist als würde er nicht gefunden werden wollen.“
„Hört sich ja geheimnisvoll an.“
„Das ist dieser Mann auch. In der Tat. Er spricht nur wenig, wenn er kommt.“
„Dann hat er sicherlich nicht viel von sich selber erzählt was?“
„Kein Wort, Mam. Kein Wort. Er dürfte ein wenig jünger sein, als ich selber, er trägt einen Vollbart. Ich nehme an, er hatte auch mal so schwarzes Haar wie ich früher“, kicherte er jetzt. „Nun ja, bei mir ist nichts mehr davon zu sehn. Jedes Mal, wenn er in den Ort kommt, hat er einen Raben dabei, der auf seiner Schulter sitzt. Ich hab schon beobachtet, dass er mit seinem Vogel geredet hat, während er zusammengesucht hat, was er brauchte und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, der hat ihm sogar geantwortet. Na ja, nicht so, dass ich den Raben verstanden hätte, aber es schien so, als hätte der Ravenman ihn verstanden.“
Am liebsten hätte ich innerlich aufgejubelt über die Mitteilungsbereitschaft dieses Mannes, ohne dass ich viele Fragen zu stellen brauchte.
„Mit diesen paar Ölfläschchen kann er sich leisten, was er für ein ganzes Jahr in den Bergen braucht?“
„Oh, er hat nicht nur diese. Er ist auch beim Apotheker und dann hat er auch meistens noch ein paar Tierfelle, die er präpariert hat und dann … ähm … veräußert. Damit kauft er Mehl, Kartoffeln, Butter Salz und so was. Und drüben bei Ramsey, dem Schneider, besorgt er sich etwas zum Anziehen oder auch mal nur einen Stoff.“
„Ich verstehe. Scheint ein sehr geschickter Mensch zu sein, wenn er es versteht, mit den Kräutern aus der Natur umzugehen, und sich auch noch selber seine Kleidung näht.“
„Das muss er wohl sein Mam, sonst könnte er wohl alleine in den Glen Hills nicht überleben. Dort kann es mitunter heftige Stürme geben, und wenn man in einen solchen gerät, ohne einen Schutz zu finden, was dort oben sehr schwer werden kann … es sind schon einige Wanderer bei Unwettern verunglück, Mam.“
„Ja, davon hab ich schon gelesen. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, wenn man sich so in dieser friedlichen Umgebung umsieht. Wissen Sie was? Sie haben mich überzeugt. Ich werde dieses Fläschchen nehmen.“
Im ersten Moment schien er doch überrascht zu sein, von meinem Entschluss, doch dann packte er es mir in Packpapier ein, und strahlte mich an.
„Darf es sonst noch etwas sein?“, wurde er mit einem Mal wieder sehr geschäftig.
„Nur die Drops noch, danke.“
Nachdem ich bezahlt hatte und der alte Mann mir noch einen schönen und erholsamen Urlaub gewünscht hatte – wie gut doch die Menschen in diesem Ort über alles bescheid wussten – ging ich noch in die Apotheke, doch der Mann dort, auch ein alteingesessener Bürger, war nicht im geringsten so gesprächig, wie der sympathische Verkäufer. Dennoch hatte ich in einem Regal an der Wand ein paar Fläschchen erspäht, die auch dieselbe Art von Etikette trug mit dem Raben drauf, wie das, was ich gerade erstanden hatte. Auf meine Frage hin, was das sei, gab er mir nur knapp zur Antwort, es wäre ein altes Hausmittel gegen Heiserkeit. Ob ich denn erkältet wäre. Doch gleichzeitig pries er es auch noch als Prophylaxe an. Da es nicht teuer war, nahm ich auch hiervon eines. Auch wenn ich nicht sicher war, dass ich es einnehmen würde.
Es war bereits Mittag. Als ich wieder über die Straße auf das Gasthaus zuging, betrachtete ich zum ersten Mal richtig das Schild, welches über dem Eingang hing. Es zeigte ein paar Berge und mit goldenen Lettern stand Glen View drauf. Nicht wirklich originell, dieser Name, auch wenn es ihn verdiente. Denn von den Zimmern aus konnte man wirklich wundervoll auf die Berge sehen. Und in dem Moment hatte ich eine Idee …

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Zuletzt von Sisilia am Do Aug 28, 2008 6:57 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mo Aug 11, 2008 8:19 pm

Und weiter geht es ...

Kapitel 4. Das Abenteuer kann beginnen!





Mit leise quietschenden Reifen hielt der Bus zwanzig Minuten später in Cloudchester und die drei Potter-Kinder stiegen aus. Weit und breit war noch nichts von Rose und Hugo zu sehen. Hoffentlich war nicht etwas schiefgegangen. James stellte sich auf die Zehenspitzen, um möglichst über alle Köpfe hinweg sehen zu können und er wollte grade aufgeben, als er die rotbraune Haarmähne von Rose in der Menge entdeckte, die ihren kleinen Bruder an der Hand hinter sich herzerrte, während sie sich einen Weg durch die Leute bahnten.
„Hier sind wir!“, rief James und winkte den beiden.
„Endlich, geschafft. Ich dachte schon Mum und Dad würden es sich überlegen und doch nicht fahren. Sie haben sich mal wieder in den Haaren gelegen, wer jetzt was eingepackt hatte und was nicht. Aber zum Glück hatte Mum die überzeugenderen Argumente und Dad gab irgendwann klein bei.“
„Was für ein Glück. Dann gehe ich jetzt die Fahrkarten kaufen, okay?“ James wartete nicht mal eine Antwort ab, sondern steuerte gleich den Automaten an.
„Hallo Rose“, sagte Al verschüchtert und nickte dann auch noch kurz Hugo zu.
„Hi, Al. Hallo, Lily. Ich hoffe nur, dass das nicht rauskommen wird. Mum wird einen Nervenzusammenbruch bekommen und Dad uns den ganzen Sommer lang den Garten entgnomen lassen. Er droht uns das immer an und meint, wenn bei uns alle weg sind, schickt er uns zu Oma und Opa, dort würde es immer genug von denen geben und wir könnten dort weitermachen.“
„Ach was, sie werden uns nicht erwischen. Und wenn wir diesen Gral erst gefunden haben und mindestens genauso berühmt sind, wie unsere Eltern, dann können sie uns gar nicht mehr böse sein.“ Hugo zeigte einen entschlossenen Gesichtsausdruck, auch wenn seine Ohren vor Aufregung ein noch dunkleres Rot hatten, wie seine Haare.
James kam mit den Fahrkarten in der Hand wedelnd zu ihnen zurück.
„Der Bus fährt in 20 Minuten ab. Ich hoffe ihr habt nichts vergessen?“
„Sicher, ich hoffe ihr habt alles“, gab Rose zurück und warf James einen warnenden Blick zu. Zu gern nahm er sie alle immer hoch, doch das würde sie auf diesem Abenteuerurlaub nicht zulassen. Hatte sie sich jedenfalls vorgenommen.
„Ich hab die Liste mehrmals überprüft“, beruhigte Lily alle, die um jeden Preis einen Streit vermeiden wollte. Ohne ein weiteres Wort zu dem Thema machte sie sich dann schließlich zu der Haltestelle auf, wo ihr Bus nach Norden abfahren würde.
„Ich kann es immer noch nicht glauben, dass unsere Eltern das nicht herausbekommen haben. Sie fahren zur gleichen Zeit fort und denken, wir sind in der Zeit bei euch, und ihr seid bei uns.“ Rose war trotz allem nervös. Denn sie taten etwas Verbotenes, etwas, das sie im Grunde noch nie getan hatten.
„Nun ja. Wenn dein Dad sich auch keine Termine merken kann“, grinste Al breit.
Es war in der Tat so gewesen, dass Harry seinen guten Freund und Schwager Ron gefragt hatte, ob seine Kinder für zwei Wochen bei ihnen bleiben könnten, da er und Ginny so gern endlich auf die schon so lange hinausgeschobene Urlaubsreise gehen wollten. Im Gegenzug dazu bot er ihnen an, dann anschließend Rose und Hugo für ebenfalls zwei Wochen zu ihnen kommen könnten. Ron fand die Idee wunderbar, doch hatte er die Daten verdreht und nun dachten beide Paare, die anderen, würde erst in der zweiten Hälfte der Sommerferien verreisen, doch in Wirklichkeit, fuhren beide gleich zu Beginn der Ferien weg. Harry und Ginny in ihren wohlverdienten Urlaub und Ron begleitete Hermine nach Frankreich, wo sie beruflich zu tun haben würde, und sie dann anschließend noch ein paar Tage an der Küste bleiben wollten.
Der Rest war für die fünf Teenager ein Kinderspiel gewesen. James schlug vor, dass sie im Garten campen wollten, damit sie den Erwachsenen nicht zu sehr zur Last fallen würden und zu ihrer Überraschung, waren sogar alle damit einverstanden.
So saßen sie jetzt mit einer kompletten Campingausrüstung, Vorrat für ein paar Tage und ihren Schlafsäcken unter dem Armen an der Haltestelle und warteten auf den Bus, der sie in die Schottischen Highlands bringen sollte.
Tja nun warum gerade dorthin? Ganz einfach:
Rose hatte ihnen vor den Ferien, von einer Sage erzählt, über die sie in einem ihrer vielen Bücher gelesen hatte. Es ging um einen Gral. Einen alten magischen Gral, der seit Jahrhunderten verschwunden war und dem man mächtige geheimnisvolle Kräfte nachsagte. Wie zum Beispiel, dass er Krankheiten heilen konnte oder einem Menschen Klugheit verleihen könnte. Es wurde auch erzählt, er würde die Talente, die einer besaß, noch um ein Vielfaches verstärken können.
Jedenfalls hatten die Fünf es sich in den Kopf gesetzt, diesen dunklen Gral zu finden. Sie wollten beweisen, dass sie nicht im Schatten ihrer Eltern standen, sondern dass sie selber auch mutig waren.
Vor allem Albus schien sich in den Gedanken verbissen zu haben, wo hingegen, die andern es eher als aufregendes Abenteuer ansahen.
„Bis wann müssen wir zurück sein? Ich meine die Uhrzeit, wann kommen eure Eltern wieder?“, erkundigte sich Lily bei Rose.
„Freitag in zwei Wochen um sechs Uhr abends. Wir haben also noch genug Zeit, wenn wir Freitagmorgen wieder zurückfahren.“
„Fantastisch. Der Flieger mit Mum und Dad wird erst um sieben in London landen. Wenn wir alle vor ihnen daheim sind, werden sie keinen Verdacht schöpfen. Und wegen der beiden anderen Wochen erklären wir ihnen eben, dass sich das erledigt hat.“ Wieder schien James von seinem Plan begeistert zu sein und fuhr sich selbstzufrieden mit der Hand durch sein Haar.
„Dein Wort in Merlins Ohr James.“ Rose war immer noch skeptisch und sie konnte sich nicht vorstellen, dass das am Ende nicht rauskommen würde. Warum machte sie dann trotzdem mit? Nun gute Frage. Sie konnte es selber nicht sagen. Neugierde? Abenteuerlust? Oder wollte sie einfach keine Außenseiterin sein? Oder hatte es doch damit was zu tun, dass sie ihrer Mum auch in nichts nachstehen wollte? Kinder berühmter Eltern hatten es nicht leicht, sich in der Welt zu behaupten. Entweder sie standen im Schatten derer und wurden beneidet oder belächelt. Oder man erwartete von ihnen mindestens genauso viel, wie ihre Eltern geleistet hatten. Ein wirklich schwerer Stand. Ja sogar die Lehrer in der Schule verglichen sie ab und an mit ihren Eltern. Wie klug, wie mutig sie doch gewesen waren. Es hatte lange gedauert, bis Rose ihren Freundinnen klar gemacht hatte, dass sie eine eigenständige Person war und nicht ihre Mum oder ihr Dad. Schon von daher bewunderte sie Al, wie er das alles so locker hinnehmen konnte. Oder tat er das gar nicht? Konnte er es einfach nur gut verstecken?

Der Bus kam pünktlich und die fünf Jugendlichen ergatterten wieder die Rückbank, auf der sie alle Platz hatten.
James zog, sobald der Bus sich in Bewegung gesetzt hatte, die Karte aus dem Rucksack, die er besorgt hatte, und er entfaltete sie vor den Augen aller. Dann begann er zu erklären, wo ihr genaues Ziel war, wo der Bus halten würde, wohin sie dann gehen mussten und wie weit er noch vor hatte heute zu kommen.
Zwar hatten sie das alles schon mehrfach in der Schule durchgekaut und besprochen, doch James, der scheinbar das Gefühl hatte, der Führer dieser kleinen Gruppe zu sein, wollte alles nochmal haargenau durchgehen.
„Wir Jungs werden dann das Zelt aufbauen, während ihr Mädels Holz fürs Feuer sammeln geht.“
„Warum wir?“, warf Lily ein. „Ich kann genauso gut ein Zelt aufbauen wie ihr.“
„Ganz einfach, kleine Zicke. Weil wir es so geplant haben. Am ersten Tag seid ihr mit dem Holz dran. Wir werden uns dann schon die nächsten Tage abwechseln, keine Sorge. Jeder wird mal alles tun müssen.
„Sag nicht Zicke zu mir, und das mit den Aufgaben wusste ich nicht“, schmollte Lily jetzt.
„Das hat James auch erst gestern Abend beschlossen, Lily. Lass dich nicht von ihm ärgern. Er spielt sich nur auf, weil er glaubt, als Ältester der Boss zu sein.“
Lily streckte James die Zunge raus und blickte dann aber wieder in den Plan.
„Schließlich bin ich das ja auch. Und jetzt haltet endlich die Klappe und hört zu.“ Dann begann er den andern weiter zu erklären, wer welche Aufgaben haben würde, wer wann Wache schieben musste und so weiter und so weiter. Im Grunde war der Plan von James nicht schlecht, das Einzige, was den andern daran nicht gefiel, war sein Befehlston. Doch des lieben Friedens willen, hielten alle ihren Mund. Irgendwann saßen sie dann stumm und nachdenklich da und blickten aus den Fenstern, wo sich die Landschaft langsam zu verändern begann. Sie kannten das schon von der Zugfahrt mit dem Hogwartsexpress und sie wussten, dass sie inzwischen England verlassen hatten und sich schon in Schottland befanden, wo die Hügel langsam höher wurden.
„Jemand Hunger?“, fragte Al irgendwann und holte die Box mit den belegten Sandwiches heraus, die er herumgehen ließ und sich jeder davon bediente.
„Schade, dass wir noch nicht außerhalb Hogwarts zaubern dürfen. Das würde einiges erleichtern“, seufzte Hugo gedankenverloren.
„Ja stimmt, aber dann wäre es doch nicht ein so großes Abenteuer. Mit Magie kann das doch jeder. Aber nur mit den eigenen Händen und seinem Grips, das ist es, was einen mutigen Mann ausmacht … oder eine mutige Frau.“ Kurz warf Al den Mädels einen Blick zu, als er das sagte.
„Wie auch immer, ruhen wir uns noch etwas aus. Wenn wir ankommen, müssen wir nämlich noch ein ganz schönes Stück laufen“, sagte James, schluckte den letzten Bissen hinunter und lümmelte sich gemütlich in seinen Sitz hinein.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Do Aug 28, 2008 6:54 pm

Kapitel 5. Entscheidender Entschluss




Natürlich war Josua nicht begeistert von meiner Idee und natürlich versuchte er, mir diese kurzerhand wieder auszureden.
„Nein, ich drücke mich nicht vor einer Wanderung, aber ich habe keine Lust den ganzen Tag durch die Berge zu rennen und am Abend so kaputt zu sein, dass ich nicht mal mehr Lust habe an der Bar zu sitzen und ein Bierchen zu trinken.“
„Muss ein Urlaub denn immer daraus bestehen, sich jeden Abend volllaufen zu lassen? Ich für meinen Teil hab mich entschlossen, ich werde diese Wanderung machen. Und weißt du was? Damit es noch mehr Reiz hat, werde ich mir ein kleines Zelt besorgen und auch dort in den Bergen übernachten.“ Je heftiger Josua gegen meine Idee argumentierte, um so sturer wurde ich. Vielleicht noch ein Überbleibsel aus der Zeit, als ich verheiratet war und meine Ehe kurz vor dem Kippen stand, da hatte ich auch gern so reagiert.
„Serenity, du weißt nicht, auf was du dich einlässt. Aber egal was ich sage, du wirst es doch tun. Erwarte aber nicht, dass ich mitgehe. Ich hab mich schon von dir in diese Einöde verschleppen lassen, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen und so gut, wie nichts los ist, aber eine einsame Wanderung, die kannst du ohne mich machen.“
Auch Josua blieb stur, doch das war mir in dem Moment wirklich egal. Selbst wenn ich alleine gehen musste, würde mich das nicht aufhalten.
„In Ordnung, dann geh ich morgen früh los. Zelt und Schlafsack bekomme ich sicherlich in dem Laden hier im Dorf und wegen des Essens, werde ich den Wirt bitten, mir ein paar Lunchpakete zu machen.“
„Glaub aber nicht, dass ich hier herumsitze und darauf warte, bis du wieder zurückkommst. Dann fahre ich nach Lochawe und du kannst mich ja per Handy anrufen, falls du es dir doch noch überlegen solltest und du deinen Urlaub mit mir zusammen verbringen willst.“
Die Wut war Josua deutlich ins Gesicht geschrieben, er wartete auch nicht auf eine Antwort von ihr, sondern stapfte sofort aus ihrem Zimmer und donnerte die Türe so laut hinter sich zu, dass sogar die Fenster in dem alten Gebäude vibrierten.
„Ok, das war deutlich“, flüsterte ich leise und war für einen Moment drauf und ihm nachzulaufen und mich zu entschuldigen. Doch wofür? Wir hatten zwar beschlossen, gemeinsam hier herzufahren, doch da unsere Vorstellungen von Urlaub und Erholung auseinandergingen, war es wohl das Beste, jeder tat, wozu er Lust hatte. Jedenfalls für einige Zeit. Sollte er sich im nächtlichen Stadtbetrieb ausleben, ich würde meine Wanderung machen und die Zeit auch mal alleine genießen. So konnte ich gehen so schnell ich wollte, pausieren, wann ich Lust hatte und vielleicht auch mal zu mir selber kommen.
Mit einem knappen Nicken, das für mich auch das Startzeichen war, griff ich nach meiner Jacke und machte mich auf den Weg, um die Dinge zu besorgen, die ich für zwei Tage und eine Nacht in den Hills brauchen würde. Noch während ich zum zweiten Mal an diesem Tag über die Hauptstraße - im Grunde auch die einzige Straße in dem Ort, die kleinen Gassen nicht eingerechnet - entlang ging, wanderten meine Gedanken wieder zu diesem Ravenman.
Was könnte der Grund sein, warum ein Mensch sich von allen andern Menschen absondert, bereit war, unter großem Verzicht in der Einöde zu leben. War er ein Mann, der auf diese Art seinen Sinn des Lebens suchte? Vielleicht war er auch ein gottesfürchtiger Mensch, der aber nicht den Mut hatte, sich einem Kloster anzuschließen. Höchstwahrscheinlich war der Grund ein traumatisches Erlebnis, das ihn zu diesem Entschluss getrieben hatte. Oder war er ein Verbrecher, der vor der Gesellschaft geflohen war, um seiner Strafe zu entgegen? Nun ja, jahrelang einsam und alleine zu leben, war auch nicht angenehmer, als eingesperrt zu sein. Nun ja, vielleicht doch, denn man war Herr über seiner Selbst und konnte über sich entscheiden.
Als Erstes kaufte ich eine Karte von der Gegend hier. Leider hatte keiner irgendeine Ahnung, wo dieser Einsiedler lebte. Scheinbar hatte schon der ein oder andere auf seiner Wanderschaft nach ihm gesucht, doch nie auch nur eine Spur von ihm entdeckt. Dennoch musste es so sein, dass er nicht weiter als einen Tagesfußmarsch von hier weg lebte. Die ungefähre Richtung wusste ich zwar, doch alles andere würde wohl vom Glück oder vom Zufall abhängen.
Was sollte es, wenn ich ihn nicht fand, würde die Welt nicht untergehen. Schon alleine den Ausflug würde ich genießen.
Josua war so ein Sturkopf. Es wäre bestimmt sehr nett geworden, vielleicht hätten wir uns auch etwas besser kennenlernen … Ach was dachte ich da nur. Ich würde nie eine Beziehung mit ihm eingehen. Er war kein Mann für eine Frau und schon gar kein Kerl, der einer Einzigen treu sein konnte.
Da ich keine Lust hatte, nur irgend so eine Affäre zu werden, zog ich es vor, erst gar nichts mit ihm anzufangen, auch wenn mich der Gedanke ein klein wenig ehrte, dass er Interesse an meiner Person, als Frau sozusagen, hatte.
Nach nicht mal einer halben Stunde, hatte ich Zelt, Schlafsack und eine Isomatte besorgt und verließ den Laden zum zweiten Mal an diesem Tag.
Natürlich war ich mehr als überrascht, als ich Josua mit seinem Wagen an mir vorbeifahren sah, er mich keines Blickes würdigte und dann am Ende des Ortes auf die Kreisstraße bog, die nach unten Richtung Lochawe führte.
Klar wusste ich, dass ihm mein Plan nicht gefallen hatte, doch dass er so böse war, hätte ich nicht erwartet. Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir heute Abend noch zusammen essen würden.
‚Nun gut, wer nicht will hat gehabt’, dachte ich mir nur, klemmte meine kleinen Pakete unter den Arm und ging zurück zu meiner kleinen Pension, wo ich vom Wirt erfuhr, dass mein Begleiter ausgecheckt und auch seine Rechnung schon bezahlt hätte.
Schnell überspielte ich meine Überraschung, tat so, als wäre das abgemacht gewesen und erkundigte mich beim Wirt, ob er mir nicht für eine längere Wanderung Verpflegung besorgen konnte.
„’Türlich, das is gar kein Problem, Mam. Meine Frau is’ ne Meisterin darin. Möchten Sie auch ein paar Dinge zum Grillen hab’n? Abends, Lagerfeuer un’ so?“
„Die Idee ist nicht schlecht. Ja gerne. Ich denke ich werde morgen nach dem Frühstück gegen 9 Uhr aufbrechen. Ginge das in Ordnung?“
„Jo, das dürfte klargehen, Mam.“
„Vielen Dank, dann schreiben sie das einfach mit auf meine Rechnung, ja? Ich werde auch mein Zimmer behalten, bis ich wieder zurück bin. Ich denke das dürfte auch kein Problem sein oder?“
„Nein, ganz sicher nich’.“
„Wundervoll. Dann bis zum Abendessen. Danke vielmals.“ Mit diesen Worten und meinem ganzen Gepäck marschierte ich zurück auf mein Zimmer und begann meinen Rucksack soweit zu packen, dass ich für zwei Tage das Nötigste hatte. Es sollte natürlich auch nicht zu viel sein, dann es war ja alles Gewicht, das ich selber tragen musste.
Irgendwann aber war ich mit meiner Zusammenstellung und dem Gewicht soweit zufrieden, dass ich, auch wenn ich mich noch immer über Josua ärgerte, dennoch gut gelaunt zum Abendessen ging und anschließend früh schlafen, damit ich morgen früh pünktlich aufbrechen konnte.
Ein Aufbruch in ein Abenteuer, das mein ganzes bisheriges Leben vollkommen auf den Kopf werfen würde. Hätte ich das geahnt, wäre ich nicht wie ein kleines zufriedenes Kind an diesem Abend in meinem Bett eingeschlafen.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Sa Sep 06, 2008 10:53 pm

Kapitel 6. Der alte Eremit




„Venire, Corax!“
Die Stimme des Mannes war nicht sehr laut, aber dafür trug sie einen sehr nachdrücklichen Ton in sich. Noch während er den Arm zur Seite ausstreckte, breitete ein schwarzer großer Rabe seine Schwingen aus, schlug mehrmals kräftig mit ihnen und flog dann in einem kleinen Bogen auf den großen schlanken Mann zu.
Sicher landete er auf dessen Arm und klettert gleich weiter hinauf bis auf die Schulter, wo er dann ruhig sitzen blieb und ihn mit seinen schwarzen Augen musterte, als warte er auf eine Belohnung.
Das bärtige, von tiefen Falten durchzogene Gesicht des Mannes verzog kaum merklich eine Miene, als er zufrieden nickte.
„Bona, Corax, bona“, flüsterte er, während ein sanfter Windstoß in sein ehemals dunkles Haar blies, das inzwischen schon sehr viele graue und sogar einige weiße Strähnen aufwies.
Für einen Moment strichen die Finger seiner Hand sanft über das leicht metallisch glänzende Gefieder des großen Raben, dann aber wendete er sich um, die untergehende Sonne im Rücken und ging auf eine kleine unauffällige Hütte zu.
Nur wenn man nicht weiter als vielleicht zehn Meter von dieser entfernt war, konnte man sie als solche tatsächlich ausmachen. Überaus geschickt war sie an einen schräg abschüssigen Felsen angebaut worden. Das überhängende Gestein bildete bereits das halbe Dach, und die Holzbretter, aus welchen die Wände und der kleine Anbau mit dem leicht abgeschrägten Dach erbaut worden waren, waren im Laufe der vielen Jahre von Pflanzenranken überwuchert worden. Was diese nicht gänzlich verdeckten, taten die vielen Büsche und Bäume, die es hier zuhauf gab. Nur die Fenster wurden immer wieder mal von dem wuchernden Grün befreit, damit noch genug Tageslicht in die Behausung eindringen konnte.
Dieses Pflanzendickicht schaffte somit nicht nur einen Schutz vor neugierigen Blicken, sondern auch Schutz gegen die unangenehmen Temperaturen. Im Winter hielten sie die Kälte und im Sommer die Hitze draußen.
Mit gemächlichen, aber festen Schritten betrat der alte Mann, dessen Alter schwer einzuschätzen war, seine Hütte, schloss die Türe sorgfältig hinter sich und setzte den Raben, der ein leises „Kroar“ von sich gab, auf dessen Stange. Dann reichte er ihm ein Stück Käse, welches dieser sofort mit seinen Klauen ergriff und begann es häppchenweise gierig zu verschlingen.
Der Einsiedler selber aber trat zu dem kleinen Feuerherd, der ihm im Winter auch als Ofen diente. Er kochte hier und hängte Kräuter zum Trocknen an der Decke. Überall baumelten verschiedene kleine Büschel zusammengebunden und an einer Schnur. Es fanden sich Kräuter hier wie Ampfer, Engelwurz, Habichtskraut, Lupine oder auch einfacher Lavendel und noch vieles, vieles mehr, was der Luft in dem Raum einen würzigen Geruch verlieh, der aber keineswegs unangenehm war, im Gegenteil.
In einem Regal hinter ihm, an der gegenüberliegenden Wand, standen etliche Flaschen und Gläser, in denen er Öle und andere Flüssigkeiten aufbewahrte, die er zum Mischen seiner Tinkturen brauchte. Egal, ob er nur ein Öl herstellte, das gegen Rheuma half, oder eine Lösung zum Einnehmen, gegen Erkältungen oder sonstigen Krankheiten.
Die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne gaben dem Raum ein sehr warmes Licht und ließen ihn fast gemütlich erscheinen. Wobei gemütlich relativ war, denn er war nur mit dem Notwendigsten eingerichtet.
Gleich rechts neben der Türe, fand man eine Art Eckbank mit einem Tisch und einem Stuhl, dann kam die Stange, auf dem der Rabe seinen Platz gefunden hatte und daneben gleich der kleine Allzweck-Herd.
Links hinter der Türe hatte er sich eine Art Sofa gebaut, der Platz, an dem er zu lesen pflegte, denn über der Couch befand sich das Fenster und somit auch eine Lichtquelle.
In hinteren Teil dieser Unterkunft gänzlich unter dem Felsplateau verborgen befand sich ein Schlafraum und eine kleine Abstellkammer, in der auch viele Dinge aufbewahrt wurden, die er vor Licht und Temperaturschwankungen schützen wollte.
Während sich der Eremit in einer alten Pfanne ein Omelett mit klein geschnittenem Gemüse briet, krächzte der Rabe und tänzelte auf seiner Stange herum.
„Du bist verfressen, Corax.“ Nichtsdestotrotz schnitt er ihm noch ein Stück von dem Schinken ab, der ebenfalls über dem Herd an der Wand hing, und reichte es dem Vogel, der es mit Wohlwollen annahm und sich gleich an die Beseitigung von diesem machte, in dem er es ratzfatz in seinen Magen beförderte.
Mit seinem Teller nahm der Mann nun am Tisch platz und schnitt sich ein Stück von dem Laib Brot ab, das er heute Morgen erst frisch gebacken hatte. Mit den Jahren hatte er gelernt wie man aus Mehl und anderen Zutaten ein wohlschmeckendes Brot herstellen konnte, was nicht von Anfang an so war. Entweder war es ihm zu hart geworden, sodass er es nur essen konnte, wenn er es in Milch stippte und aufweichen ließ oder es war zusammengefallen, wie ein Soufflé.
Nach dem Rezept dieses Brotes hätten sogar Becker sich die Finger abgeschleckt. Inzwischen hatte er sogar begonnen die Rezepte zu variieren, auch je nach Jahreszeit, was die Natur so lieferte. So buk er im Frühjahr oft gerne Brot mit Bärlauch oder im Herbst auch Brote mit Pilzen. Und natürlich Kräuter verschiedenster Art.
Eines jedenfalls konnte er von sich behaupten. Nämlich dass er etwas von Kräutern verstand. In all den Jahren die er nun schon hier lebte war er noch kein einziges Mal krank gewesen, wenn man von einem kleinen Umfall absah, bei dem er sich böse den Fuß verstaucht hatte. Doch auch das hatte er mit seinen Salben, die er herstellte, schnell wieder im Griff gehabt.
Die dunkelrote Sonne schickte ihre letzten Sonnenstrahlen durch das kleine rechteckige Fenster in den Raum und ließen den Raum aussehen, als hätte er Feuer gefangen. Doch noch, bevor der Einsiedler seinen Teller ganz geleert hatte, war sie hinter den Glens verschwunden.
Noch einmal machte sich Corax bemerkbar und streckte demonstrativ immer wieder eines seiner Beine aus, bis sich der Mann erweichen ließ und ihm ein Stück von seinem Brot abbrach und reichte.
„Dann ist aber genug, verstanden. Satis!“
Als ob das schwarze Federvieh diese Worte begriffen hatte, nickte er mehrmals mit dem Kopf, nahm das Brot und fraß es, wobei er mehrmals ein leises Geräusch ausstieß. Man hätte beinahe glauben können, der Rabe genoss seinen Leckerbissen geräuschvoll.
Mit dem geleerten Teller und der Gabel trat der Eremit an sein kleines Spülbecken in der Ecke des Raumes und wusch beides ab.
Schon vor langer Zeit, hatte er sich über dem Hühnerstall, ja sogar das besaß er, eine kleine Zisterne gebaut, die das Wasser auffing, welches über und durch den Felsen abfloss. Das Wasser war kristallklar und vollkommen sauber. Über eine kleine Leitung konnte er es ins Haus leiten und unten über den Boden, wo er nach kurzem Graben eine Felsspalte freigelegt hatte, wieder abfließen lassen. So hatte er immer fließend Wasser. Gut im Winter, wenn es extrem kalt wurde, konnte es auch schon mal passieren, dass das Wasser nicht mehr floss, dann musste er Schnee in einem Topf schmelzen. Nur einmal hatte er einen Winter, in dem es kalt war und keinen Schnee gab. In der Zeit musste er jeden Tag einen längeren Fußmarsch tätigen, bis zum Fluss, der zum Glück nicht gänzlich zugefroren war, um an Wasser zu kommen.
Doch jetzt war Sommer, die Zeit, wo er die Früchte seiner Arbeit ernten konnte. Gemüse, das er versteckt zwischen Koniferen anbaute. Kräuter aus dem kleinen Kräutergarten am Waldrand, gut getarnt zwischen Hecken und Brombeersträuchern.
Niemand hätte geahnt, dass hier ein Mensch am Werke gewesen war, wenn er dran vorbei gegangen wäre. Und genau das war auch seine Absicht. Er wollte keine Neugierigen anlocken, die sich zufällig in die Gegend verirrt hatten. Touristen auf ihrer Wanderung oder einheimische Jäger.
Bis jetzt war es ihm hervorragend gelungen unentdeckt zu bleiben und das sollte sich auch nicht ändern.
Nur zwei Mal im Jahr musste er in den nächsten Ort, um ein paar Dinge einzutauschen, die er hier in der freien Natur nicht hatte. Wie Mehl, Salz oder Kleidung.
Im Gegenzug dazu stellte er für die Menschen dort Heilsalben und Arzneien gegen ihre Zipperlein her, welche ihm inzwischen fast aus den Fingern gerissen wurden, wenn er sie gegen die benötigten Waren eintauschen wollte. Sein einziger Luxus, den er sich dabei noch gönnte, war ab und an ein neues Buch oder auch zwei, wenn seine Mittel dafür reichten. Viele hatte er inzwischen schon zigmal gelesen und kannte sie fast auswendig.
Nachdem er auch den Tisch abgewischt hatte, trat er nochmals zum Fenster und blickte hinaus in die friedliche Landschaft von Glenorchy, die seit vielen Jahren seine Heimat geworden war. Nur noch wenige Vögel trällerten ihr Lied, dafür waren die Grillen um so lauter.
„Zeit die Ziege und die Hühner in den Stall zu treiben“, sagte er mehr zu sich und verließ die Hütte noch einmal. Er hatte schon einmal in der Nacht ein Huhn durch einen gefräßigen Fuchs verloren, seither brachte er die Tiere, die tagsüber gut getarnt in einem kleinen Gehege neben der Hütte und der Felswand verbrachten über Nacht wieder in ihren Stall.
Die Ziege war schnell in den Verschlag gebracht, doch die Hühner hatten wohl bei dem schönen Wetter überhaupt keine Lust hineinzugehen und so brauchte er geschlagene 15 Minuten, um die drei Damen in ihren Stall zu verfrachten, wo sie sich schließlich beleidigt gackernd einen weichen Platz auf einem Strohlager suchten.
Erst nach einem kleinen Rundgang, auf dem er nochmal überprüft hatte, dass alles was verschlossen sein musste, auch zu war, ging er wieder ins Haus zurück. Es war wichtig für ihn, dass keiner in den Stall oder gar in die Hütte kam, denn alles, was er besaß und was er für sein Leben brauchte, hatte er hier.
Eine kleine Öllampe entzündend setzte er sich wieder an den Tisch und kontrollierte anhand einer Liste seine Bestände. Beginnend von den Lebensmitteln, die er noch hatte, und sich gewissenhaft einteilte, bis hin zu den von ihm hergestellten Dingen, die er vor dem Winter im Dorf wieder gegen die Dinge eintauschen wollte, die er benötigte, um über die Runden zu kommen.
Erst als er alles kontrolliert hatte, räumte er die Unterlagen sorgfältig weg und ging dann mit der Lampe in der Hand auf seinen Schlafraum zu.
„Gute Nacht, Corax. Dormio bene.“
Morgen würde er die letzten Kartoffeln für dieses Jahr ernten, was eine Menge Arbeit bedeutete, aber nötig war. So legte er sich rasch schlafen, aufstehen würde er wie immer mit der Sonne und sich dann an die Arbeit machen.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Di Sep 09, 2008 10:04 pm

Huhuuu
Hach ist das schön, das durch dein Forum meine Langeweile weg geht Smile
Find die FF echt schön und gut durchdacht.... (die Tagebuch geschichte im übrigen auch...an was du da alles gedacht hast...unglaublich!)
Am besten gefallen mir noch die Teile mit den Kiddis...so richtig süß Smile und vorwitzig *grins*
Bin gespannt wie es weiter geht...weil bis jetzt bin ich mir über die Geschichte die du dir für deinen Ravenman einfallen lassen hast noch nicht ganz klar....*räzelrate was du dir für ihn einfallen lassen hast*
Hab dich lieb, Tonxie
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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Di Sep 09, 2008 10:14 pm

Hi Tonks,

als erstes Mal vielen lieben Dank, dass du so schön fleißig reviews ... *wie ein Kind mich freu*

Nun im Grunde geht es um Harrys Kinder und vor allem Al wird noch eine wichtige Rolle spielen. Aber auch die Frau, die diese Geschichte ja aufgeschrieben hat. Natürlich ist der alte Mann sehr wichtig . Und irgendwie tut er mir jetzt schon leid. Aber da muss er durch. Vielleicht bekommt er ja sogar noch eine Belohnung Party2

Es läuft jedenfalls noch auf ein seeeehr großes Abenteuer hinaus, das kann ich versprechen.

Liebe Grüße

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Fr Sep 12, 2008 12:22 am

Uiuiui....*freu* ich liiiiiiiiiebe die storys über harrys kiddis...und ich find du hast sie sehr gut getroffen...ham sehr viel von ihren eltern aber auch ihren eigenen kopf Smile

Der alte Mann....ich nehme an, er ist derjenige den du in der Einleitung beschrieben hast mit dem drei mal passieren?! Und ich nehme an, das er iwas mit Snape zutun hat....Wink und ich bin gespannt inwiefern...

Das Tolle an der Geschichte ist, das man noch gaaarkeine Ahnung hat, wie das ganze weiter gehen wird oder geschweige denn wie es enden wird...zwar hab ich ein paar Ideen (sag sie aber nicht Razz ) aber ich glaub ich lieg mal wieder daneben und werd sehr überrascht sein.
Bin auf jeden Fall gespannt auf ihr Abenteuer Smile

Liebe Grüße, Dat Tonxie
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BeitragThema: Kapitel 9. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier … und mit einem Mal …   Do Okt 02, 2008 3:16 pm

Kapitel 9. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier … und mit einem Mal …




Das leise Krächzen seines Raben ließ den Mann den Kopf anheben und aus dem Fenster schauen.
„Was hat der nervende Vogel jetzt wieder?“, brummte er in seinen Bart, auch wenn er die Worte nicht wirklich böse meinte, und erhob sich wachsam, um schließlich vor seine Behausung zu treten.
Noch während sein gefiederter Freund zu ihm flog, um sich auf seinem Arm niederzulassen, sah er es.
Ein Gewitter zog auf. Und zwar so eines, das keiner hätte mit Sicherheit vorhersagen können und welches garantiert sehr heftig werden würde - das sagte ihm seine krumme Nase und auch seine Erfahrung. Es war schließlich nicht das erste Unwetter dieser Art, das er hier in den Bergen erlebte, und würde auch mit Sicherheit nicht das Letzte sein.
„Danke mein Freund“, sprach er leise und strich sanft mit den Fingern über das schwarz-metallisch glänzende Gefieder. Daraufhin begab er sich zur rechten Seite seiner Hütte und öffnete das hölzerne Türchen zu einem kleinen Verschlag. Es war der Stall, für seine wenigen Hühner, die er sich hielt, um ab und an ein frisches Ei oder auch mal ein Hühnchen selber - meist zu Weihnachten - zu essen.
Die beiden Ziegen, die in der kleinen eingezäunten Weide standen - wobei Weide fast schon übertrieben war - hatte er schnell in ihren kleinen sicheren Stall verfrachtet, doch etwas schwerer wurde es mit den Hühnern, die nämlich just in dem Moment nicht daran dachten, in ihren engen dunklen Verschlag zu wollen.
Hatte er den einen Hahn einfangen und ihn in den Holzverschlag gesteckt, machten sich die Hennen aus dem Staub. Und während er es schließlich schaffte, eines der Hühner an den Schwanzfedern zu packen, hatte sich der Hahn mittlerweile schon wieder den Weg in die Freiheit verschafft, dabei sollte man meinen, dass die Hühner ihrem Kerl hinterherlaufen würden. Nicht so bei seinem Exemplar. Noch während er weiter hinter den Hennen her rannte, beschloss er das nächste männliche Kücken aufzuziehen und dafür den alten nichtsnutzigen Gockel zu schlachten.
Für einen fremden Beobachter wäre das Schauspiel bestimmt sehr belustigend gewesen, denn das ging noch einige Zeit so hin und her. Doch die Wolken verfinsterten zusehends den Himmel und die ersten Blitze waren in der Ferne entweder als Wetterleuchten oder helle Zickzacklichter bereits deutlich zu sehen. Und diese Tatsache war nicht gerade hilfreich dabei, diese Tiere einzufangen, denn je heller die Blitze und je lauter der Donner wurde, um so mehr Panik bekam das Federvieh und flog zuletzt auch noch kreischend immer wieder zwischen den hohen Koniferen auf und ab, so dass es für den alten Mann immer schwerer wurde, eines von ihnen zu erwischen.
Und zu allem Überfluss setzte dann auch noch ohne Vorwarnung heftiger Regen ein. Doch der Eremit hatte keine andere Wahl, als laut schimpfend weiter zu machen, er brauchte schließlich seine Hühner …


*****



„Lauft schneller“, trieb James jetzt die andern an, als es zu regnen begonnen hatte und sie noch mind. zehn Minuten von ihrem erwählten Ziel entfernt waren.
Jedes Mal, wenn erneut Blitze über den bereits schwarzen Himmel zuckten, duckte sich Lily zusammen und am Ende suchte sie Schutz bei ihrem Bruder, der den Arm um das kleinere rothaarige Mädchen legte.
„Ich hab Angst, James“, flüsterte sie und presste ihr Gesicht an die Brust von ihm, als ein heller gleißender Blitz hinter den Bäumen in den Wald zuckte. Die Luft war so aufgeladen, dass sie die Elektrizität förmlich spüren konnten.
„Es wird dir nichts passieren. Ich beschütze dich“, versuchte er ihr und sich selber Mut zu machen.
„Hör lieber auf zu jammern und lauf“, brummte Al, dem es auch nicht geheuer war, was er aber nie zugeben würde. Er stapfte schließlich an den andern vorbei, den Hang hinunter, der aber sehr rutschig war wegen des feinen Gerölls und noch rutschiger wurde, als die dicken Regentropfen auf ihn fielen.
Die fünf hatten inzwischen die Kapuzen ihrer Jacken über den Kopf gezogen, doch das half nicht wirklich viel, denn es kam soviel Wasser von oben, dass die Jacken rasch durchweichten, und wenn das Wasser auch nicht direkt durch den Stoff kommen konnte, drang es doch durch jede Öffnung, die diese hatte.
Immer wieder schlitterten sie, ihre Füße verloren oft den festen Halt. So hielten sich gegenseitig fest, stützen sich immer wieder und doch war Al der Erste, der ausglitt und einige Meter auf seinem Hinterteil den Berg nach unten rutschte.
„Albus, ist alles in Ordnung?“, riefen Rose und Hugo gleichzeitig, während Lily sich wieder an James klammerte, und dieser damit zu tun hatte, selber nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
„Nein, mir geht es gut“, brummte der Dunkelhaarige, rappelte sich auf und deutet auf die Felsen zu. „Lasst uns zusehen, dass wir dort Schutz finden“, rief er und lief sofort weiter.
Die andern folgten ihm, so gut sie konnten. Auch Hugo knallte einmal der Länge nach hin, rappelte sich aber gleich wieder auf und gab keinen Mucks von sich.
‚Kleiner tapferer Hugo’, dachte Rose bei sich und bewunderte ihren Bruder wieder ein Mal aufs Neue.
Endlich hatten sie den steilen Hang hinter sich gelassen und rannten nun zwischen kleinen Bäumen, die vielleicht höchstens zwei Meter hoch waren hindurch, um die schützenden Felsen zu erreichen. Doch auf einmal blieb Al stehen, so dass James und Lily in ihn rannten, und Rose und Hugo grade noch im letzten Moment anhalten konnten.
„Verdammt Albus, kannst du nicht aufpassen“, fauchte James ihn durch den tosenden Regen an, doch dieser reagierte nicht auf seine Worte.
„Was ist los?“
Erst auf Roses Nachfragen, antwortete er ihnen.
„Seht mal, da vorne. Das ist doch eine Hütte?“
Nun sahen alle genauer hin und erkannten tatsächlich so etwas wie eine Hütte. Sie war in den Felsen gebaut, teilweise jedenfalls und die Rettung für sie fünf.
„Los, da rein!“, befahl James ihnen und gab Al einen Stoß in den Rücken, dass dieser nach vorn stolperte.
„Aber wenn da einer wohnt?“
„Rede keinen Stuss, und wenn, er wird uns sicher hier bleiben lassen, bis der Regen aufhört.“
Wieder trieb James Albus voran, und als dieser nur unsicher voranging, lief er an ihm vorbei, stieß die Türe auf und trat ins Trockene.
„Jemand hier?“ Doch es kam keine Antwort. „Siehst du? Kein Mensch da, also mach dir nicht in die Hosen.“
Auch die Mädchen und Hugo waren eingetreten, wobei James schnell die Türe hinter ihnen schloss, denn der Wind trieb den Regen sogar durch den Eingang ins Haus.
„Ist doch ganz gemütlich hier.“
„James. Aber es sieht nicht so aus, als wäre das hier verlassen“, gab Rose nun unsicher zurück und deutete auf den Ofen, in dem immer noch ein kleines Feuer brannte.
„Ist aber keiner da. Oder siehst du jemanden.“
„James mach dich nicht lächerlich. Er wird bestimmt gleich zurückkommen. Schau doch hier“, nun deutete sie auf den Tisch, wo noch ein Messer und ein paar Kräuter lagen, die jemand gerade eben fein säuberlich geschnitten hatte.
Doch bevor nun James noch mal antworten konnte, öffnete sich die Türe, die mit einem lauten Krachen gegen die Wand schlug …



*****




Fluchend packte der alte Mann nach einem der Hühner, das einen Haken schlug und ihm wieder in letzter Sekunde entwischte. Inzwischen war er auch bis auf die Haut nass und seine Laune nicht mehr die Beste. Da flog Corax von der Schulter seines Meisters, der ein paar Tiefflüge ansetzte und die Hühner mit lautem „Kroar, Kroar“ zielsicher in den Hühnerstall jagte. So schnell hatte der Mann diese Tiere noch selten laufen sehen, wie in dem Moment.
„Erneut einen Dank an dich mein Freund. Ich glaube ich werde langsam zu alt für solche Jagden“, erklärte er und hob seinen Arm an, so dass der Rabe sich wieder darauf setzten konnte, was er mit einem leiseren „Grok“, tat, so als wollte er die Worte des Mannes bestätigen.
Schnell schloss er das Türchen des Verschlages und als er sein Hab und Gut in Sicherheit wusste, ging er mit großen Schritten zu seinem Haus zurück. Im Vorbeigehen, schloss er die beiden Fensterläden, damit er die Fenster schonen konnte – hier draußen kam man so schlecht an neue Scheiben – öffnete die Haustüre, die ihm der kräftige Wind aber aus der Hand riss, so dass sie gegen die Wand krachte und erstarrte im selben Moment …



*****




Irgendwie kam es mir so vor, als würden meine Gebete hier drinnen keine Chance haben nach oben zu dringen, um Petrus gnädig zu stimmen, den Wasserhahn wenigstens etwas zuzudrehen. Zwar war ich hier einigermaßen geschützt, aber die feuchte Kleidung und der plötzliche Temperatursturz ließen mich frösteln. Einen Moment überlegend, da ich idiotischerweise keine Regenjacke mitgenommen hatte, beschloss ich, mich in meinem Schlafsack zu wickeln. Ich wollte mir ja schließlich keine Erkältung zuziehen.
So saß ich nun warm eingewickelt da und hoffte, dass dieses Unwetter, so schnell wie es gekommen war, auch wieder verschwinden würde.
Doch dieses Unwetter dachte nicht daran, das Weite zu suchen. Es schien sich gerade hier in den Bergen verfangen zu haben, und würde wohl erst vorbeigehen, wenn sich auch der letzte Regentropfen vom Himmel gelöst hatte und auf die Erde gefallen war.
Wasser tropfte unablässig vom Felsvorsprung und ich beobachtete, wie diese feinen Rinnsale sich unten auf dem Boden sammelten und davon flossen, sich wieder sammelten und ein großes Rinnsal bildeten, der irgendwo im Dunkeln, zwischen den Felsen verschwand.
Nur das Grollen des Donners übertönte das Dröhnen des Regens, was sich hier drin fast schon gespenstisch oder gar unheimlich anhörte. Nur seine Gleichmäßigkeit nahm mir irgendwann die Angst und machte mich sogar auf eine Art müde. Ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein, rutschte ich langsam immer tiefer, bis ich meinen Kopf auf dem Rucksack bettete und mit dem monotonen Geräusch des strömenden Regens im Ohr einschlief.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mi Okt 08, 2008 9:58 pm

Kapitel 10. Die Welt geht unter




Nicht nur der alte Mann erstarrte, auch die Kinder erschraken, wobei bestimmt keiner mehr hätte sagen können, ob es wegen der Türe war, die so heftig aufflog, oder wegen der Erscheinung, die in der Türe stand und die fünf mit verengten misstrauischen Augen musterte.
„Was macht ihr hier?“, zischte er sie an, während der Rabe sich aufplusterte, den Regen aus seinem Gefieder schüttelte und ein lautes „Kroar“ von sich gab.
„Wir … wir … Unwetter … Schutz gesucht“, mehr brachten die Teenager in dem Moment nicht hervor und Lily versteckte sich leicht zitternd hinter ihrem großen Bruder. Hugo hingegen baute sich schützend vor Rose auf, die wiederum beschützend ihre Arme von hinten um ihren um einen Kopf kleineren Bruder legte.
Der Wind presste den Regen durch die immer noch offene Türe und gegen den Rücken des Mannes, der noch einen Moment unschlüssig da stand, dann aber murrend die Türe schloss und seinen Raben zu dessen Stammplatz schickte.
„Bitte verzeihen Sie, Mr … Lassen Sie uns doch bitte hier bleiben, bis das Gewitter vorbei ist. Wir werden uns auch benehmen, versprochen.“ Rose war es gewesen, die schließlich ihren ganzen Mut zusammen genommen und gesprochen hatte.
„Mir bleibt ja wohl nichts anderes übrig. Schließlich will ich nicht schuld daran sein, wenn ihr da draußen umkommt“, murmelte er und deutete zum Tisch. „Setzt euch und verhaltet euch ruhig“, befahl er und ging an ihnen vorbei, um mit etwas neuem Holz aus der Glut im Ofen ein Feuer zu machen.
Verschüchtert folgten sie seiner Aufforderung, wobei Hugo und Rose als Erstes in die Bank rutschten, allerdings ohne ihre Rücksäcke abzunehmen oder ihre Jacken auszuziehen, so als würden sie daran denken, gleich wieder gehen zu wollen. Al folgte ihnen und Lily und James bildeten den Abschluss. Eng zusammengerückt saßen sie schließlich an dem Tisch und musterten ihren „Gastgeber“. Aber auch sein Rabe bekam ihre Aufmerksamkeit, besonders in dem Moment, als er von seinem Herrn ein Stück Käse gereicht bekam.
Noch einmal ging der Blick des Mannes zu den Kindern und vor allem auf Al und Lily blieb dieser kurz hängen.
„Wo sind eure Eltern? Was macht ihr hier in dieser verlassenen Gegend?“ Ohne eine konkrete Gefühlregung zu zeigen, setzte er in einem Kessel mit Wasser auf den Herd und begann einig Blätter in eine stählerne Teekanne zu geben. Als keiner von ihnen antwortete, wandte er sich wieder zu ihnen um und musterte jedes einzelne Gesicht eindringlich für einen Moment, so dass die fünf das Gefühl bekamen, er würde versuchen in ihre Köpfe zu sehen.
Sein bärtiges Gesicht sah gespenstisch, fast wild aus und seine dunklen Augen bohrten sich unentwegt in die Augen seiner unerwarteten Gäste.
Da es draußen inzwischen ziemlich dunkel war und wegen der geschlossenen Fensterläden, war es ebenfalls sehr düster in diesem Raum geworden. Das Feuer im Herd, dessen Schein nur durch ein paar Ritzen oben herausleuchtete, war auch nicht sehr hell.
Schließlich trat der Mann mit einem großen Schritt an den Tisch, so dass alle fünf erschrocken zurückzuckten. Doch er ergriff nur die Lampe, die dort stand und entzündete sie. Mit einem kleinen Handgriff stellte er die Flamme in der Öllampe höher und platzierte sie wieder auf dem Tisch.
Nun konnte er die Gesichter der Kinder besser erkennen.
„Wollt ihr mir nicht antworten?“, hakte er schließlich nach. „Wie kommt ihr hier her?“
„Wir … haben uns verlaufen.“ Die Antwort schoss förmlich aus James Mund und die andern starrten ihn kurz an, nickten dann aber heftig zu James Unterstützung.
„Verlaufen, so, so. Nun ja, ist ja auch eine sehr … unübersichtliche Gegend. Wo sich Kinder oft verlaufen“, antwortete er ihm ironisch.
„Wir lügen nicht!“
Die Augen des Einsiedlers blieben auf Albus hängen, der diese Worte gesprochen hatten und er hob sogar noch kurz eine Augenbraue.
„Seid ihr über den Fluss gekommen?“, fragte er schließlich, und erst als James mit „Ja“, antwortet, nahm er den Blick von dem Dunkelhaarigen, um seinen Bruder anzusehen.
„Das habe ich befürchtet. Gut, dann bleibt ihr vorerst hier. Und sobald es geht, bring ich euch über den Fluss.“
Als James Luft holte, um zu protestieren, stoppten ihn zwei Dinge auf einmal und er schloss Mund augenblicklich wieder. Zum einen Lily stieß ihm den Ellenbogen in die Seite und zum andern traf ihn der warnende Blick des Alten, der ihm damit zeigte ihm, dass er keine Widerrede dulden würde.
Mit einem scheinbar zufriedenen Nicken wandte sich der Einsiedler dann erneut um, trat zum Herd und goss das inzwischen kochende Wasser in die Teekanne, die er schließlich auf den Tisch stellte und drei Tassen dazu reichte.
„Ich fürchte ihr werdet euch die Tassen teilen müssen. Ich bin nicht auf Gäste eingestellt und ich besitze nur diese drei.“
„Schon in Ordnung“, sagte Rose jetzt leise und versuchte ein Lächeln, das aber kläglich misslang. „Danke, Mr …“
Auch dieses Mal war der Mann nicht bereit ihnen seinen Namen zu verraten, so versuchte Rose es anders.
„Mein Name ist Rose und das ist mein Bruder Hugo. Das hier Al, Lily und James, unsere Cousins und Cousine.“
Hätte die Weasley Tochter in dem Moment nicht die Tassen weitergereicht, wobei sie sich eine mit Hugo teilen wollte, hätte sie das kurze Zucken des Mannes bemerkt, als sie die letzten Namen genannt hatte.
„Habt ihr Hunger?“, fragte der Einsiedler stattdessen und zog einen Leib Brot aus einem Schrank.
„Danke das ist wirklich nett von Ihnen, doch wir haben unseren eigenen Proviant“, erklärte James und holte ein in Butterbrotpapier gepacktes Sandwich heraus, in das er biss.
Die andern schlossen sich ihm dann einfach an, und holten auch etwas zu essen aus ihren Rucksäcken.
„Wie ihr meint.“
Mit einem großen Messer, schnitt sich der Mann nun eine Scheibe von dem Brot ab, nahm etwas Käse dazu und legte es auf einen Teller. Er setzte sich zu seinen Besuchern, und alle aßen schweigend und tranken von dem Tee, der zur Überraschung der Kinder sehr gut schmeckte, was sie nicht erwartet hatten. Sie hatten geglaubt, das wäre ein bitterer Kräutertee, zumal es nicht mal Zucker dazu gab.
„Wenn ihr fertig gegessen habt, könnt ihr es euch dort drüben gemütlich machen. Wie ich gesehen habe, habt ihr ja Schlafsäcke und vielleicht auch Luftmatratzen oder Matten dabei.“
Sie blickten auf die andere Seite des Raumes, an dessen Wand ein Regal mit Büchern stand und daneben ein Regal, mit Dosen, Gläsern und vielem mehr. Davor gab es so was wie ein provisorisches Sofa, auf dem Felle lagen. Nicht nur Felle von Hasen, auch andere Tiere wie Ziegen und vielleicht auch Reh waren dabei. Es sah jedenfalls recht gemütlich aus.
„Ihr werdet hier nichts anrühren, habt ihr verstanden. Wenn ihr Fragen habt, fragt, ansonsten Finger weg von meinen Dingen.“ Seine Worte klangen sehr einschüchternd, so dass die fünf einfach nur verschüchtert nickten. Es war unschwer zu erkennen, dass sie Angst vor ihm hatten, nun ja, zumindest eine gehörige Portion Respekt und der Alte war sich sicher, dass die Kinder es sich gut überlegen würden, bevor sie ihre Nase in seine Sachen stecken würden.
„Mr … Sir? Dieser Rabe … ist er … gezähmt? Haben Sie ihn dressiert?“ Die Kleinste von ihnen hatte diese Fragen gestellt und blickte mit ihren braunen Augen beinahe unschuldig zu ihm hoch.
„Ich habe ihm ein paar Dinge beigebracht, das ist richtig, aber ist immer noch sein eigener Herr und bleibt aus freien Stücken bei mir. Venir Corax!“ Es war eine Sanftheit in der Stimme, als er zum Raben blickte und den Arm anhob, die er den Kindern nicht entgegenbrachte. Kurz schien der schwarze Vogel zu überlegen, doch dann folgte er dem Ruf seines Meisters und flog auf seine Schulter.
„Heißt das nicht richtig veni“, fragte Rose nach.
„Ich weiß, wie das richtig heißt, junge Dame. Ich ziehe es dennoch vor, die Kommandos in der Grundform zu geben. Schließlich soll der Rabe nicht Latein lernen, sondern mich verstehen.“
„Oh, ja … sicher“, antwortete sie, doch man konnte ihr ansehen, dass sie das nicht wirklich verstand. Was machte es für den Raben für einen Unterschied, ob er das richtige Wort als Kommando lernte oder die Grundform. Doch Rose zog es vor, zu diesem Thema zu schweigen.
Daraufhin erhob sich der alte Mann, ging zu einem Schrank, entnahm ihm etwas, das er unter seiner Jacke verbarg, und ging dann zu der einzigen weiteren Türe, die es noch in dem Raum gab.
„Corax wird euch im Auge behalten und mir Bescheid geben, solltet ihr etwas Berühren oder tun, was ihr nicht solltet. Gute Nacht.“
Mit diesen Worten ergriff er den Türknauf und drehte ihn, während der Rabe mit einem "Kroar" zu seinem Platz zurückflog, wo er es sich gemütlich machte.
James und Lily versuchten noch einen Blick in den anderen Raum zu erhaschen, doch mehr als die Schemen eines einfachen Bettes konnten sie nicht ausmachen, es war einfach zu dunkel und der Einsiedler zu schnell darin verschwunden.
„Ein seltsamer alter Kauz“, flüsterte Hugo und trankt die Tasse leer.
„Ja, aber sein Tee ist klasse“, erwiderte Lily, die sich noch mal nachschenkte, woraufhin James die Augen verdrehte.
„Sobald es morgen früh hell ist, verschwinden wir wieder“, brummte er leise. „Ich lasse mich doch nicht von dem alten Sack zurück zum Fluss bringen. Nicht, wo wir schon so weit gekommen sind.“
„Ach willst du etwa behaupten, du weißt immer noch, wo wir sind? Hast du nicht gerade eben zugegeben, dass wir uns verlaufen haben?“ Al hatte die Augen leicht verengt, als er seinen Bruder prüfend anstarrte.
„Wir sind vielleicht etwas von der Route abgekommen, na und? Ich finde den Weg morgen wieder, wenn die Sonne scheint. Ganz sicher. Und jetzt lasst uns schlafen, damit wir rechtzeitig wach werden und weg kommen.
„Ich werde meinen Wecker stellen.“
„Du hast einen Wecker dabei, Hugo?“, fragte James verblüfft.
„Na ja, ist kein richtiger Wecker, oder vielleicht doch. Es ist ein Wecker in einer Armbanduhr. Grandpa hat sie mir geschenkt. Er hat sie aus einem Muggelladen“, erklärte der kleinste Junge unter ihnen stolz.
James Potter verdrehte erneut die Augen kurz, aber dann nickte er. „Gut, dann stell sie auf fünf Uhr. Halb sechs wird es hell, dann haben wir genug Zeit, zusammenzupacken und zu verschwinden, bevor dieser alte Narr, aufsteht.“
Ohne zu murren, erklärten sich die anderen einverstanden und begannen dann ihre Schlafsäcke und Matten um das Sofa auszubreiten. Al setzte sich dafür ein, dass Lily auf dem Sofa schlafen durfte, während sie sich alle um den kleinen Holztisch auf den Boden legten. Sie hatten ihre nassen Sachen noch in der Nähe des Ofens zum Trocknen aufgehängt, wobei sie der Rabe misstrauisch beobachtete. Jeden Handgriff, jede Bewegung und jeden Schritt schien der schwarze mysteriöse Vogel zu verfolgen und sie hatten das Gefühl, dass nicht ein Tier ihnen zusehen würde, sondern der alte geheimnisvolle Eremit selber.
Deshalb löschte Rose schnell das Licht und sie versuchten gleich zu schlafen. Doch sie hatten nicht mit der Heftigkeit des Gewitters gerechnet, die Kräfte des Windes unterschätzt, der immer wieder an den Fensterläden riss und mit dem tosenden Regen um die Wette zu wüten schien.
Jedes Mal, wenn sie glaubten, dass Donner und Wind nachgelassen hatten und sie langsam am Einschlafen waren, begann es wieder von Neuem und irgendwann legte sich Lily mit ihrem Schlafsack, zwischen ihre beide Brüder.
„Warum denkt ihr, lebt dieser Mann hier alleine in der verlassenen Gegend?“
„Was interessiert mich das. Soll er sich doch auf den Mond schicken lassen“, brummte James, der sichtlich müde war, aber auch nicht schlafen konnte, wie sie alle nicht.
„Lily hat Recht, es muss einen Grund geben, warum ein Mensch sich zurückzieht und mit anderen nichts zu tun haben will.“ Rose sprach leise, was sie eigentlich nicht hätte tun müssen, denn der Sturm tobte so laut, dass der Einsiedler sie garantiert nicht hätte hören können.
„Vielleicht ist es ein Mörder, der sich hier versteckt hat, um seiner Strafe zu entgehen?“, warf Hugo nachdenklich ein und die Mädchen erschauderten bei dem Gedanken, dass der Mann vielleicht mitten in der Nacht mit einem langen Messer auftauchen und sie alle ermorden könnte.
„Red keinen Unsinn. Ich denke eher, dass er vom Leben enttäuscht wurde und sich entschlossen hat, allein zu bleiben.“
„Lily du bist zu gutgläubig. Du denkst jeder Mensch ist gut und lieb und nur die Umgebung ist schuld, dass er etwas Falsches macht“, James meinte das, was er sagte, sehr ernst, denn Lily glaubte wirklich daran, dass es keinen Menschen geben konnte, der von Grund auf böse war. Sogar bei Voldemort, den ihr Vater vor guten 20 Jahren vernichtet hatte, war sie überzeugt, dass dieser nicht so böse geworden wäre, wenn dieser Liebe erfahren hätte. Inzwischen hatte James die Diskussionen mit seiner Schwester über dieses Thema aufgegeben, sie blieb stur auf ihrem Standpunkt.
„Vielleicht war es ja nicht gleich ein Mord, aber er könnte ein anderes Verbrechen begangen haben. Vielleicht frisst er ja kleine dumme Mädchen. Und jetzt haltet die Klappe, ich will schlafen“, brummte James und zog sich den Schlafsack bis zu den Ohren.
Lily blickte ihren Bruder böse an, rückte von ihm ab und stieß dabei gegen Al.
„Hör nicht auf James, Lily. Ich bin sicher, der Alte hat ein Geheimnis, und auch wenn er sehr zum Fürchten aussieht, glaub ich nicht, dass er uns oder sonst jemandem etwas antun würde. Ich meine er war doch recht nett und hat uns Tee und etwas zu essen angeboten und schlafen dürfen wir hier auch. Ich bin sicher, er ist nur so brummig und raubeinig, weil er keine Menschen mehr gewohnt ist. Ich frag mich, wie lange er schon hier lebt?“
Lily entspannte sich wieder etwas, legte den Kopf ab und sah zu Albus.
„Vielleicht hat er ja eine ganz traurige Geschichte? Ich meine, damals als Voldemort noch gelebt hatte, haben viele ihre Familien verloren, auch viele Muggel. Vielleicht ist ihm was Ähnliches passiert. Oder seine Frau hat ihn mit einem andern betrogen und er war so traurig darüber, dass er …“
„Du und deine romantisch – dramatische Ader, Lily. Du solltest Liebesromane schreiben.“
„Vielleicht mach ich das auch eines Tages, wirst schon sehen, Al.“
„Gut, dann verspreche ich dir, dass ich sie lesen werde.“
„Gut, dann hab ich schon einen Leser“, lächelte Lily.
„Lass uns jetzt versuchen zu schlafen, ja?“
Mit einem Nicken kuschelte sich das braunhaarige Mädchen wieder in ihren Schlafsack und schloss die Augen.
Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bis die fünf endlich einschliefen, trotz des anhaltenden Regens.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Di Okt 14, 2008 10:39 pm

Huhuuu Sil!!!
Halloween2 *smily cool find* wieder mal ein gelungenes kapitel...wobei mir beim lesen der satz aufgefallen ist....ich glaub ich hab ihn 5 mal gelesen bis ich ihn verstanden hab....würd ihn vllt mit nem komma oder so trennen
Zitat :
Hugo hingegen baute sich schützend vor Rose auf, die wiederum beschützend ihre Arme von hinten um ihren um einen Kopf kleineren Bruder legte.
Dieses um ihren um einen Kopf kleineren ist irritierend...vorallem weils hier im Forum wirklich genau an der stelle in die nächste Zeile rutscht ^^
Schönes kapitel, das wie immer Lust auf mehr macht....vorallem binsch neugierig ob die Frau wieder aufwacht Wink

PS- whaaa du hast johnny depp smilys....die willsch auch in der zauberschule haben!!!
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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Sa Nov 29, 2008 12:04 am

Kapitel 11. Tod und Leben liegen so nah beieinander






Lange währte der Schlaf nicht, in den ich gefallen war, denn ein lauter Donnerschlag - es hatte geklungen - als hätte es ganz in meiner Nähe eingeschlagen, riss mich aus einem verrückten Traum. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte und als ich merkte, dass meine Füße ziemlich nass waren, obwohl sie im Schlafsack steckten, setzte ich mich auf.
Tatsächlich, der untere Teil meines Schlafsacks lag in einer großen Pfütze, die sich dort gebildet hatte und als ich mich genauer umsah, bemerkte ich, dass genau neben mir das Wasser vorbei rann. Tatsächlich ich konnte ich zusehen, wie dieser kleine Bach immer weiter anschwoll und das Grollen und Rauschen, das ebenfalls zunahm, verhieß nichts Gutes.
Mit einem Mal wurde es mir klar.
Dieser, mein Unterschlupf, war nur entstanden, weil hier immer bei heftigen Regenfällen Wasser durchfloss, der den Stein ausgewaschen hatte.
Das grollende Geräusch wurde lauter und klang immer gefährlicher. Ich wusste nur eines, ich musste hier weg, und zwar so schnell wie möglich, wenn ich nicht in wenigen Augenblicken ertrinken wollte.
Vor lauter Hektik verhedderte ich mich in meinem Schlafsack, musst mehrmals nach dem Reißverschluss greifen, der mir aufgrund meiner feuchten Finger immer wieder entglitt. Doch ich schaffte es einfach nicht, meine Beine aus dem feuchten Stoff zu befreien.
Als ich dann kurz den Kopf drehte, sah ich es … Wassermassen, die auf mich zuschossen. Bis heute weiß ich nicht mehr genau, was dann genau geschehen war, aber ich hab es so ungefähr zusammengereimt.
Reflexartig griffen meine Hände nach meinem Rucksack, an den ich mich klammerte, so als könnte der mich vor dem Unglück retten, stieß mich einfach nur noch ab, wollte aus der Felsspalte, doch genau in dem Moment packten mich die Wassermassen mit so einer Gewalt, rissen mich mit sich und ich spürte nur noch einen heftigen Schmerz, als mein Oberschenkel, gegen einen harten Widerstand schlug, und ich überdeutlich spürte, wie mein Knochen brach. Reflexartig öffnete ich den Mund zu einem Schmerzensschrei, doch das war ein Fehler, denn sofort drang Wasser in ihn und aus Angst wurde Panik.
Der Sturzbach, riss mich weiter mich sich, der Schlafsack wickelte sich zuerst um mich, dann blieb er an etwas hängen und ich zuerst mit, rutschte schließlich aber aus ihm heraus und dann … es war als würde ich schweben. Schwerelos mit dem Wasser durch die Luft fliegen.
Damit hatte ich nicht mal so unrecht, was ich gleich darauf mit Schrecken feststellen durfte, denn ich war mit dem Wasser über einen Abgrund gespült worden.
Dann fiel ich, den ersten Aufprall, der mir die letzte Luft nahm, den spürte ich noch, doch dann schlug ich heftig mit dem Kopf gegen etwas und es wurde endgültig Nacht um mich. Der einzige Gedanke, den ich noch gehabt hatte, bevor ich das Bewusstsein verlor, war:
Das war’s mit dir Serenity …




*****





Das trübe Licht des Morgens drang schüchtern wie der Blick eines Kindes auf etwas Unbekanntes in den Raum, als Al schließlich die Augen öffnete und sich etwas verwirrt umsah. Ein schlecht beleuchteter Raum, in dem es immer noch nach feuchter Luft roch, war das Erste, was er wahrnahm und es dauerte einen Moment, bis er sich wieder erinnerte, wo er war.
Doch warum war die Türe sperrangelweit offen und warum war es schon hell? Hatten sie nicht schon vor Sonnenaufgang aufstehen wollen?
Sein Blick wanderte konfus in die Runde und er sah, dass alle um ihn herum noch am Schlafen waren.
‚Wer hatte dann aber die Türe …’
Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken, denn in dem Moment trat eine große schlanke Gestalt in den Türrahmen und wirkte aus Als Blickwinkel sehr bedrohlich, so dass er es nicht wagte, sich zu bewegen.
Mit einem leisen „Hm“, betrat der Mann die Hütte und schritt zum Ofen, um neues Feuer zu machen. Als er Al den Rücken zugewandt hatte, streckte dieser seine Hand aus, über Lily hinweg zu James, um ihn zu wecken.
James allerdings schüttelte die Hand seines Bruders mit einem Murren ab und drehte sich auf die andere Seite. Ansprechen konnte er ihn auch nicht, ohne dass der Alte das mitbekommen würde. Einzig seine Schwester reagierte, aber nicht so, wie er das wollte.
„Müssen wir schon aufstehen?“, fragte sie halb verschlafen und Al schien in dem Moment fast das Herz stehen zu bleiben, denn ihm war klar, dass der alte Einsiedler sie sicher gehört hatte.
Und tatsächlich, er drehte sich um und sah zu ihnen herüber. Aus den Augenwinkeln bemerkte Al das kurze Schmunzeln, das sich aber gleich wieder in einen mürrischen Ausdruck verwandelte.
In dem Moment schreckten auch die andern auf. Zuerst James, der nicht gerade fein fluchte, als ihm klar geworden war, dass sie verschlafen hatten. Dann Rose und ganz zuletzt Hugo, der sich genüsslich streckte und gähnte.
James war es deutlich anzusehen, als er zu Hugo blickte, dass er diesem die Schuld gab, denn er hätte sie mit diesem Muggelwecker wecken sollen. Hugo selber kapierte das erst, als er James Blick bemerkte und er sah erschrocken auf die Uhr, die an seinem Arm hing. Er drückte wild ein paar der Knöpfe, die sich an dem Ding befanden und als er zu James zurückblickte, sagte dessen Blick eindeutig, dass er nicht wissen würde, warum dieses Ding sie nicht geweckt hätte.
Doch die Kinder wurden aus ihren stummen Gesprächen gerissen, als der Einsiedler sie plötzlich ansprach.
„Ich habe leider keine guten Nachrichten. Ich war gerade eben oben auf dem Hügel. Der Fluss ist so stark angestiegen, dass ihr ihn unmöglich derzeit überqueren könnt. Was bedeutet, dass ich euch wohl noch mindestens zwei Tage am Hals haben werde, bevor ich Euch über den Fluss bringen kann. Glaubt aber nicht, dass ihr in der Zeit auf der faulen Haut liegen könnt. Ihr werdet etwas dafür tun, dass ich euch hier bleiben lasse.“
Die fünf starrten ihren Gastgeber mit großen Augen an, und wussten nicht, was sie darauf erwidern sollten. Sie wollte doch gar nicht hier bleiben, und auch wenn sie kein Wort sprachen, waren sie sich in dem Moment einig, dass sie die erste Gelegenheit nutzen würden, um zu verschwinden, ob der Alte das wollte oder nicht.
Die Augen des Mannes sahen leicht belustigt aus, als die Teenager sich beinahe entsetzte Blicke zuwarfen und mit leicht gekräuselten Lippen, wandte er sich wieder um und begann den Tisch zu decken.
„Zuerst gibt es aber Frühstück. Ich will ja nicht, dass ihr mir noch vom Fleisch …“ Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden, denn er hörte schon von Weitem das aufgeregte Krächzen seines Raben.
Mit großen Schritten war er vor die Hütte geeilt und sah dem schwarzen großen Vogel entgegen, der mit sonoren aufgeregten Rufen immer wieder vor seinem Herrn auf und ab zu flattern schien und immer wieder in eine Richtung flog, so als wollte er, dass sein Meister ihm folgen würde.
Doch dieser drehte sich zu den Kindern um, die sich inzwischen aus ihren Schlafsäcken befreit hatte und neugierig in die Türe getreten waren.
Nur ein kurzes überraschtes Heben der Augenbraue war das Zeichen, dass der Eremit mitbekommen hatte, dass die fünf in ihren Tageskleidern geschlafen hatten, aber das überging er sofort.
„War noch jemand mit euch unterwegs? Hattet ihr noch Begleiter?“ Seine Stimme klang fast schroff, während er diese Frage stellte und zuerst wagte keiner etwas zu sagen, nur James schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Lügt mich nicht an, denn ich werde es so oder so herausfinden. Seid ihr wirklich ohne Begleitung unterwegs?“
„Wir sind alleine unterwegs, Mr … das müssen Sie uns glauben. Wirklich. Ich schwöre es“, Rose hatte wieder all ihren Mut zusammen genommen und gesprochen. „Warum fragen Sie?“
„Weil Corax mir mitgeteilt hat, dass jemand Hilfe braucht. Aber vielleicht ist es auch nur ein verwundetes Tier. Ihr …“ mit diesem Wort deutete er mit dem Finger auf die kleine Gruppe, „werdet hier blieben. Fasst nichts an, was nicht euch gehört, habt ihr verstanden. Weglaufen bringt nichts. Ihr werdet euch nur noch mehr verlaufen und alleine nicht zurück finden. Und … ich finde euch.“
Während er diese Sätze sprach, die sehr ernst, fast sogar bedrohlich klangen und die auch keiner der Angesprochenen anzweifelte, ging er rasch auf sie zu, wobei sie vor ihm ängstlich zurück in die Hütte wichen. Doch er griff nur nach einer Umhängetasche, die neben der Türe an der Wand gehangen hatte und hing sie sich um die Schultern.
„Ach ja, eines noch. Hinter dem Haus in dem kleinen Verschlag, stehen zwei Ziegen, lasst sie auf die Weide hinter der Hütte.“
Ohne sie noch einmal anzusehen, schritt er einfach davon, dem immer noch aufgeregt auf und ab flatternden Raben folgend, der ihn zuerst den Berg hinauf führte, doch dann mit seinem Herrn hinter einer dicht bewachsenen Anhöhe verschwand.

„Was glaubt der Spinner denn, wer er ist? Führt sich hier auf wie ein Oberlehrer und glaubt uns Befehle erteilen zu können.“
Jetzt, nachdem der Mann weg war, wagte James wieder das Wort zu ergreifen und baute sich, die Hände in die Seiten gestützt in der Türe auf.
„Genau James. Wenn wir jetzt sofort verschwinden, wird er uns sicher nicht mehr finden. Wir wollen schließlich den Schatz finden und das lassen wir uns von so einem Höhlenmenschen nicht verderben“, diesmal war es Al, der seinem Bruder zugestimmt hatte und sofort begann, seinen Schafsack zusammenzurollen. Auch James tat es seinem Bruder gleich. Nur die Mädchen blieben unschlüssig stehen und schauten den Jungs beim Packen zu und sich dann an.
„Ich weiß nicht. Vielleicht sollten wir doch noch etwas hier bleiben. Ich meine, es könnte doch sein, dass wir noch mehr Gewässern überqueren müssen, und die werden im Moment alle ziemlich hoch sein. Wir können doch auch noch später verschwinden, denkt ihr nicht?“
Überrascht blickten James und Al zu den Mädchen.
„Habt ihr einen Knall? Wenn wir Glück haben, ist der ne Stunde oder sogar noch länger weg, das ist ein riesen Vorsprung.“
„Wenn wir nachts verschwinden, könnten wir einen Vorsprung von mehreren Stunden bekommen.“
Lilys Einwand schien bei James und auch Al zu fruchten, denn sie beide hörten auf zu packen und sahen sich fragend an.
„Und außerdem bin ich neugierig. Vielleicht hilft der Mann tatsächlich einem verwundeten Tier. Und wer so was tut, kann nicht schlecht sein. Auch wenn er nicht gerade freundlich aussieht. Ich meine, er war lange alleine, da wird jeder Mensch sonderlich, hab ich Recht?“
„James sei nicht böse, aber ich glaube die Mädchen haben Recht. Wenn er uns nach einer Stunde sucht, wird er uns sicher finden, doch wenn wir mehrere Stunden Vorsprung haben, lässt er es vielleicht sogar ganz bleiben, nach uns zu suchen.“
Da auch Al zu Hugos Worten nickte, gab sich der Älteste geschlagen. „In Ordnung, aber spätestens heute Nacht, sind wir weg. Und dann will ich nichts hören, dass es zu dunkel ist oder so etwas, klar?“
Alle waren damit einverstanden, und während die Jungen begangen, sich die Sachen des Einsiedlers anzusehen - ohne etwas anzufassen, versteht sich - gingen die Mädchen nach draußen und suchten den Verschlag, um die Ziegen heraus zu lassen.
Die Vierbeiner sprangen sobald die Mädchen die Türe geöffnet hatten sofort hinaus, sahen die beiden etwas verdutzt an, doch der Hunger auf frisches Grün war dann größer und sie marschierten direkt auf den eingezäunten Bereich zu, so dass Lily nur noch das Gatter öffnen musste, und die beiden fröhlich dort hinein sprangen.
„Seine Tiere behandelt er jedenfalls gut“, stellte Rose fest, welche die beiden noch einen Moment beim Fressen beobachtete.
„Warum auch nicht? Uns hat er doch auch nichts getan. Ich glaub nicht, dass er so böse ist, wie James und Al glauben. Irgendwie … finde ich ihn sogar interessant. Geheimnisvoll, aber nicht böse.“
„Na ja, aber überaus freundlich war er auch nicht.“
„Wie würdet du denn reagieren, wenn du heim kommst und in deiner Wohnung haben es sich fünf Fremde gemütlich gemacht.“
„Wir haben es uns doch gar nicht einfach so gemütlich gemacht“, begann Rose zu protestieren, doch ihr wurde schnell klar, dass Lily Recht hatte. Sie waren einfach in diese Hütte gestürmt, ohne groß nachzudenken. „Du … hast wohl Recht. Dafür war er wirklich … freundlich.“
„Sag ich doch“, erwiderte Lily jetzt sichtlich froh, dass Rose es eingesehen hatte.

Während sie auf die Rückkehr des Einsiedlers warteten, breiteten sie die Karte aus und versuchten herauszufinden, wo sie waren. Sie waren sogar dazu einmal auf einen der höheren Hügel geklettert, aber am Ende waren sie fast so schlau wie zuvor. Beziehungsweise genauso unsicher, denn jeder war anderer Meinung, wohin sie mussten, um diese geheimnisvolle Höhle zu finden.
Als sie dann ein Geräusch hörten, packten sie ganz schnell die Karte zusammen und stopften sie in einen der Rucksäcke.
Mit einem lauten „Groar – Groar“, schoss der Rabe in die Hütte und landete sicher auf der für ihn bestimmten Stange.
Zuerst passiert nichts mehr, dann aber hörten sie schwere Schritte und einen keuchenden Atem, bis sie den Einsiedler erkannten. Doch er war nicht alleine. Er trug etwas auf seinen Armen. Zuerst konnten sie es nicht wirklich erkennen, da sie von der dunkleren Hütte innen hinaus ins Helle blickten, aber als er eingetreten war, sahen sie, dass er einen Menschen auf seinen Armen trug. Eine Frau, wie sie schnell an dem langen rotblonden Haar erkannten.
Die Frau war nicht gerade ein Federgewicht und sie sahen, dass der alte Mann Mühe hatte, sie halten.
„Macht mir die Türe auf“, befahl er und deutete mit dem Kopf auf die Türe, die in den Raum führte, in dem er geschlafen hatte. Als Al, der ihr am nächsten stand sie aufgerissen hatte, ging der Mann hinein und legte die Frau auf seinem Lager ab.
„Was ist mit ihr … ist sie … ist sie … tot?“, fragte Albus ihn unsicher und starrte auf die Frau.
„Nein, sie ist ohne Bewusstsein. Ich brauche Wasser und saubere Tücher. Tücher findet ihr in dem Schrank unter der Spüle.“
Zum Erstaunen des Alten reagierten die Teenager jetzt erstaunlich schnell und koordiniert. Rose lief zum Waschbecken und füllte Wasser in eine Schüssel, die dort stand, während Lily die Tücher aus dem Schrank holte.
James lief zum Sofa hinüber und griff nach der einzigen Decke, die dort lag, woraufhin ihn der Alte verdutzt ansah.
„Ihre Kleider sind nass. Ich denke es ist besser, wenn man ihr die auszieht und damit sie nicht …“ begann er zu erklären, woraufhin der Mann nickend die Decke entgegen nahm und zu ihr hinein ging.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Sa Nov 29, 2008 12:05 am

Al und James zogen sich jetzt dezent etwas zurück - soviel Anstand hatten sie, dass sie nicht zusehen würden, wie die Frau ausgezogen wurde.
Rose und Lily gingen aber hinein in den dunklen Raum und brachten ihm die Sachen. Der Eremit hatte schon begonnen ihr die Bluse öffnen und als er die Mädchen sah, bat er sie weiter zu machen, aber vorsichtig zu sein, während er aufstand und nach draußen ging, um in seinen Regalen nach einem der Fläschchen zu greifen, die er ganz hinten im letzten Regal dann fand.
„Was fehlt ihr?“ Als Herz zitterte und er war aufgeregt, obwohl er die Frau gar nicht kannte, die der Mann da angebracht hatte.
„Sie scheint irgendwo abgestürzt zu sein. Vermutlich während des Gewitters. Ich hoffe, ihre Verletzungen sind nicht zu schwer.“
„Können Sie nicht Hilfe rufen? Haben sie kein Mobiltelefon oder so was?“
Auch ohne den fassungslosen Blick war Al, nachdem er das gesagt hatte, klar gewesen, dass er doch einen alten Einsiedler nicht nach einem solchen technischen Ding hatte fragen können. „War eine dumme Idee“, sagte er mit gesenktem Kopf.
Ihr immer noch namenloser Gastgeber nickt nur und ging zurück zu der Verletzten, die gerade von den Mädchen zugedeckt wurde.
„Ich hänge ihre Sachen draußen in die Sonne“, erklärte Rose jetzt leise, packte Lily am Handgelenk und zog sie mit sich nach draußen.
Sie hatte die vielen Hämatome am Körper der Frau gesehen und ihr war mit einem Mal ganz übel dabei, vor allem wenn sie daran dachte, was die Frau sich womöglich alles getan hatte. Auch dass ihr rechter Fuß irgendwie verdreht war und ganz blau. Vielleicht war er sogar gebrochen?
Auch die drei Jungs gesellten sich zu den Mädels vor die Hütte, als Rose die Sachen der Frau in die Sonne gehängt hatte.
„Was habt ihr gesehen?“, wollte Hugo neugierig wissen.
„Das willst du nicht wissen“, gab Rose leise zurück. „Sie hat es ganz schön erwischt. Ich hoffe nur, sie kommt durch.“
Nun wurde der kleine Hugo vor Schreck blass, so dass Rose ihn einfach in ihre Arme zog. „Ach was, sie wird es schaffen. Warte nur ab, heute Abend geht es ihr bestimmt besser.“
Doch Hugo konnte den Blick seiner Schwester zum Glück nicht sehen, die nicht sicher war, ob das, was sie gesagt hatte auch stimmte, zu schlimm hatten die Verletzungen ausgesehen, auch die blutverkrustete Beule am Kopf.
Betreten starrten jetzt alle auf ihre Füße und keiner wusste, was er sagen sollte.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mo Jun 22, 2009 12:11 am

Kapitel 12. Nicht jeder bekommt ein zweites Geburtsdatum




Einige Zeit hörte die kleine Gruppe nichts aus der Hütte und da sich Rose doch irgendwie sorgte, ging sie nach einer - wie es für sie schien - langen Zeit zurück. Sie trat so vorsichtig auf, dass man ihre Schritte so gut wie gar nicht hörte, allerhöchstens ein ganz leises Scharren der Schuhsohlen auf dem sauberen Steinboden.
Gerade in dem Moment, als der alte Mann das Tuch in die nun mit verschmutztem Wasser gefüllte Schüssel warf, blieb Rose in der Türe stehen.
Natürlich musste der Einsiedler sie bemerkt haben, auch wenn er sich nicht rührte, denn das einzige Licht, das in diesen Raum drang kam durch die Türe, in der Rose ja nun stand.
„Du kannst mir helfen, wenn du keine Angst hast.“ Die Stimme des Mannes klang müde und sichtlich besorgt, als er das sagte und er hielt Rose einen kleinen Tiegel hin, in der eine Paste war, die etwas seltsam aussah und noch seltsamer roch. Dennoch hatte Rose das Gefühl, als wäre ihr der Geruch nicht ganz fremd.
„Gib vorsichtig von der Salbe auf die Schürfwunden, an den Armen und den Schultern. Das Gesicht habe ich schon versorgt. Ich kümmer’ mich solange um das Bein.“
Die Decke war um den Körper der Frau geschlungen, so dass nur die Arme, die Schultern und der Kopf zu sehen waren.
Rose nahm die Salbe entgegen, ging zum Kopfende des Bettes und begann sehr vorsichtig die Schürfwunden einzusalben.
Unterdessen hob der Mann die Decke von ihrem rechten Bein an, das zwar jetzt sauber, aber immer noch seltsam verdreht aussah.
„Ich werde versuchen ihr Bein wieder zu richten. Wenn du das nicht sehen kannst, schließe besser für einen Moment die Augen“, hieß der alte Mann sie an, wartete aber nicht auf eine Reaktion von dem Mädchen vor sich und griff nach dem Fuß.
„Sollte das nicht besser jemand machen, der Ahnung davon hat“, warf sie schließlich ein und ihr Gegenüber zögerte tatsächlich kurz.
„Vielleicht. Aber kennst du jemanden, der jetzt hier ist und das tun könnte? Wir müssen ihr gleich helfen, sonst wird sie vielleicht nie wieder gehen können. Schau einfach weg, wenn du es nicht sehen kannst.“
Diesmal ließ er sich nicht wieder aufhalten und das „Aber …“, erstickte in Rose Mund, als sie mit großen Augen sah, wie der Mann einfach die Hände an das Bein legte und es mit einer geschmeidigen Bewegung und einem seltsamen Knacken wieder in die Gerade richtete.
Rose wäre bei dem Geräusch beinahe schlecht geworden und sie wendete kurz den Kopf ab, um tief durchzuatmen.
Als sie sich wieder umdrehte, hatte der Mann schon begonnen einen Verband um das Bein der Frau zu wickeln, wobei er anschließend ein gerades schmales Holzbrett mit hineinband.
Auf den fragenden Blick des Mädchens hin, erklärte er, dass er nur sicher gehen wollte, dass das Bein auch in der Position bleiben würde, wie es sollte.
Es kostete Sie doch ganz schön Überwindung nicht einfach rauszulaufen und weiter zu machen, die Salbe aufzutragen. Doch schließlich hatte sie es geschafft und gab den Tiegel zurück.
„Wird … wird sie wieder gesund werden?“, fragte sie jetzt leise und vorsichtig.
„Wenn der Himmel es will, ja.“
„Kann ich … noch irgendwas tun?“
„Kannst du kochen?“
„Kochen?“
„Ja, kochen.“
„Kommt darauf an.“
„Ein paar Omelettes? Die müsstest du doch hinbekommen oder nicht?“
„Ich denke schon, ja.“
„Gut dann komm mit“, wies er sie an und deckte die Verletzte wieder ganz zu, bevor er mit ihr in den anderen Raum ging.
„Hier drin findest du Mehl, Gewürze, Salz. Ich gehe die Ziegen melken, dann haben wir Milch.“
„Ich werde dir helfen, Rose“, bot sich Lily an, die vor der Türe gestanden und zugehört hatte.
Während Rose sich eine Pfanne angelte, die über dem Backofen an der Decke hing, suchte Lily eine Schüssel und das Mehl heraus. Der Alte indes hatte sich einen Eimer gegriffen und verließ die Hütte.
„Du! Ja, du mit den schwarzen Haaren. Komm mit, du kannst mir helfen.“
Al stand wie versteinert da und starrte den Mann an, nicht wissend, was dieser von ihm wollte. „Hast du Dreck in den Ohren? Beweg dich. Und nimm von mir aus deinen kleinen Freund hier mit.“ Mit diesen Worten deutete er auf Hugo, der im Gegensatz zu seinem Cousin sofort aufsprang und hinter dem Mann herlief. Sei es nun aus Neugier oder aus Angst, das wusste in dem Moment wohl keiner.
„Na, nun mach schon“, brummte James und nur zögernd setzte sich Albus in Bewegung. Sie erreichten die rechte Seite der Hütte, wo sich der Stall der Ziegen und der Verschlag der Hühner befanden.
„Ich nehme mal an, dass von euch keiner melken kann, oder?“
Beide schüttelten nun den Kopf und blickten zu den Ziegen, die ihrem Herrn meckernd entgegenkamen.
„Hatte ich auch nicht erwartet. Dort drüben ist der Verschlag, wo die Hühner darin sind. Lasst die Tiere raus und scheucht sie zu den Ziegen ins Gehege. Dann sucht ihr den Verschlag nach Eiern ab. Ihr müsst aber mind. 2 oder 3 von ihnen drin lassen. Aber ich denke es müssten trotzdem genug da sein, dass sie für die Omelettes reichen.“
„Warum sollen welche im Stall bleiben?“, hakte Hugo nach, während Al schon auf den Verschlag zuging.
„Weil ich gern noch ein paar neue Hühner hätte, und die können nur aus den Eiern schlüpfen, wenn sie ausgebrütet werden.“
„Oh ... ja … natürlich“, gab er etwas verschämt zurück, weil er glaubte, eine dumme Frage gestellt zu haben und folgte Al.
Während die beiden Jungen die Hühner und ihnen voran den Hahn heraus ließen, machte sich der Einsiedler daran die Ziegen zu melken, was er mit sehr geschickten Fingern tat, so als wäre es das einfachste der Welt.
Hugo und Al, die es von ihren Großeltern her schon kannten, schafften die Hühner ins Gehege und begannen dann behutsam den Verschlag nach Eiern abzusuchen.
Vorsichtig legten sie, was sie gefunden hatten, in Hugos T-Shirt, der dieses am Saum gepackt hielt und es wie ein Känguru als Transportbeutel verwendete.
Kurze Zeit später kamen Al und Hugo mit dem Einsiedler an ihren Fersen zurück in die Hütte und die beiden Mädchen begannen gemeinsam damit den Teig für die Omelettes zu mischen.
Ihr Gastgeber unterdessen verschwand wieder in seiner Kammer, in der die Verletzte lag und sah nach ihr.
Er kam auch erst wieder, als Rose ihn zum Essen rief.
Erstaunt blickte er auf den gedeckten Tisch - auch wenn nur 3 Teller vorhanden waren - und den Berg Omelettes, der in der Mitte aufgestapelt lag.
„Sie sind nicht besonders schön geworden, aber sie schmecken echt gut“, erklärte Rose nun etwas unsicher, aufgrund seines Blickes.
„Ich bin mir sicher, dass das so sein wird“, antwortete der Alte ihnen, wendete sich aber noch mal um, verschwand in seiner Kammer, kramte dort nach etwas und kam mit einem Glas wieder. „Frischer Honig. Was anderes kann ich Euch leider nicht dazu anbieten.“
„Das … ist doch nicht nötig. Ich meine … Sie haben bestimmt nicht so viel davon, wir wollen ihnen nichts …“
„Papperlapapp. Den hab ich selber geerntet gar nicht so weit von hier, und davon gibt es auch noch genug. Ich werde sowieso bald wieder Neuen besorgen. Also nehmt euch.“
Er stellte das Glas auf den Tisch und setzte sich dann.
Corax krächzte von seiner Stange aus und die Kinder drehten sich erschrocken um, denn sie hatten gar nicht mitbekommen, dass dieser zurückgekommen war.
„Ich bin sicher, er hat gerochen, dass es Essen gibt“, erklärte der Mann einen kurzen Moment schmunzelnd und hob seinen Arm an, woraufhin der schwarze Vogel zu ihm flatterte und es sich auf seiner Schulter bequem machte.
„Auf was wartet ihr. Esst, solange es noch warm ist.“
Nachdem keiner der Fünf sich traute anzufangen, nahm er sich einfach einen der Pfannkuchen, rollte ihn zusammen, so dass er ihn halten konnte und zupfte dann von einem Ende etwas ab, das er Corax hinhielt, der das zuerst skeptisch mit dem einen, dann mit dem andern Auge betrachtete, kurz daran knabberte und schließlich den Rest, den sein Herr ihm hinhielt, mit einem Happs herunter schlang.
„Ihm scheint es zu schmecken“, erklärte er und begann dann selber zu essen. Auch wenn der Mann keinen Ton mehr sagte und sich scheinbar nur mit seinem Raben und dem Essen zu beschäftigen schien
Auch die Kinder aßen nun stumm und blickten sich immer wieder an, bis der Eremit aufstand und wieder nach hinten ging, um nach der Frau zu sehen. Einzig Corax blieb zurück und klaute Rose das letzte Stück ihres Omelettes aus den Fingern. Sofort flog er zurück auf seine Stange und fraß es. Wobei es fast so aussah, als würde das Tier grinsen, was aber vollkommen unmöglich war, Vögel konnten nicht grinsen.
„Du bist ein kleiner Dieb“, zischte Rose jetzt zu dem Tier, das nach ihr zu schnappen versuchte, als sie drohend den Finger zu ihm hob.
„Du solltest ihn nicht reizen, er hat soviel Kraft im Schnabel, dass er dir den Finger abzwicken könnte“, kam von der Türe her und alle fünf zuckten erneut zusammen. „Wäre es möglich, dass einer von euch Wasser aufsetzen könnte? Ich glaube die Frau kommt langsam zu sich und sie sollte jetzt viel trinken.“
Diesmal nickt James, erhob sich und füllte Wasser in den Kessel. Auch die andern standen auf, denn Rose sammelte die Teller zusammen, um sie gleich abzuwaschen.
„Wer hilft mir?“
Zuerst regte sich keiner, doch dann standen Hugo und Lily auf und folgten Rose in die kleine Ecke, wo die selbst gebaute, etwas windschiefe Spüle aus Stein stand, die sogar über eine kleine Zisterne am Dach der Hütte fliesend Wasser hatte, das man über einen Schlauch wieder in die Erde ablassen konnte, wo es irgendwo zwischen dunklen Felsen verschwand. Einfach und genial gelöst.
In dem Moment, als der Kessel leise anfing zu pfeifen, kam der alte Mann wieder, gab aus einer großen Dose erneut Blätter und Kräuter in die Teekanne und goss sie mit Wasser auf. Kurz wanderte sein Blick misstrauisch über die Gruppe und durch den Raum.
„Wo ist der Dunkelhaarige?“
„Wer? Al?“, fragte Lily und sah sich nun auch um. „Vielleicht musste er mal?“
„Na dann … ich hoffe er benutz das Häuschen links hinter der Hütte.“
„Es gibt ein Klo hier?“ James sah den Alten überrascht an.
„Warum nicht. Ich mag hier in der Einöde leben, aber ich bin kein Steinzeitmensch, der seine Geschäfte an dem Ort verrichtet, wo er gerade geht oder steht. James war dein Name, richtig?“
Der Blick des Mannes war abfällig,, als er den Namen aussprach, wobei der Angesprochene nicht wusste, warum das so war, er hatte ihm doch gar nichts getan.
Bevor aber einer von den beiden etwas tun oder sagen konnte, zupfte Lily an der Jacke des Mannes. „Sir? Sie haben aber nicht zufällig auch eine Dusche?“
„Eine Dusche?“
„Ja, um sich richtig zu waschen.“
„Nun ja. Es gäbe schon eine Möglichkeit das einzurichten, doch ich ziehe es vor, mich am Bach zu waschen.“
„Auch im Winter?“ Lilys Augen hefteten auf dem Gesicht des Mannes und als er nickte, wurden diese noch größer.
„Man gewöhnt sich an alles. Und jetzt muss ich mich wieder um die Lady da drin kümmern.“
Er schenkte Tee in eine Tasse und ging damit wieder in den hinteren Raum, die Kinder sich selber überlassend.


*****



Es war dunkel um mich herum, als ich ganz langsam zu mir kam. Irgendwie fühlte ich mich benebelt, um nicht zu sagen, beinahe high. Zuerst wagte ich es nicht mich zu bewegen, lauschte nur in meinen Körper hinein und nach und nach kamen auch die Erinnerungen wieder.
Doch ich merkte schnell, dass ich auf einer weichen Unterlage lag. Ich war nicht mehr nass und etwas war fest um mein rechtes Bein gewickelt, welches zuerst leicht pulsierte und je mehr ich zu mir kam, immer heftiger zu pochen begann.
Jemand hatte mir ein feuchtes Tuch auf die Stirn gelegt und mit einem Mal spürte ich überdeutlich, dass irgendwer bei mir sein musste.
„Es wird alles in Ordnung kommen“, flüsterte eine tiefe Männerstimme und ich versuchte die Augen zu öffnen, deren Lieder aber schwer wie Blei waren.
„Versuchen Sie zu trinken. Es ist warmer Tee, der wird Ihnen gut tun.“
Eine Hand schob sich in meinem Rücken, hob meine Schultern etwas an und ich spürte eine Tasse an meinen Lippen. Automatisch öffnete ich den Mund und trank von dem Kräutertee, dessen Duft angenehm in meine Nase drang.
„So ist es gut. Versuchen Sie noch zu schlafen. Das ist die beste Medizin.“
Diese Stimme … sie hatte einen sonoren Klang, fast hypnotisch und ich konnte nur eines tun, ihrem Befehl zu folgen. Langsam ließ er mich wieder ins Kissen zurücksinken und wenige Sekunden später, war ich auch schon wieder eingeschlafen.
Ich bekam nicht mit, die Kinder, die ebenfalls bei diesem mir unbekannten Mann waren, versuchten sich etwas nützlich zu machen, in der Hütte, sowie außerhalb, vor allem in den Ställen. Selbst daran, dass er mir später nochmal etwas Tee brachte und einflößte, konnte ich mich danach nicht mehr erinnern.
So verschlief ich die nächste Nacht, nicht merkend, dass der Mann sie an meiner Seite verbrachte, sich um mich kümmernd und auch noch fast den ganzen nächsten Tag.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mi Jun 06, 2012 5:00 pm

Kapitel 13 Das Spiel der Geige


Die kleine Teenagergruppe ging nach dem Frühstück nach draußen und suchte Al, der die Hütte schon vor ihnen verlassen hatte, weil er sich mit James wieder mal gezankt hatte. Der Gesuchte saß auf einem Felsen, ein Stück oberhalb der Hütte und blickte angespannt in die Ferne.
„Was machst du hier so alleine?“, wollte Lily wissen, die sich neben ihren Bruder setzte und ihren Blick ebenfalls über die in ihren Augen karge Landschaft gleiten ließ.
„Nachdenken.“
„Und über was denkst du nach?“
„Über den Grund, warum wir hier hergekommen sind. Wollt ihr euch wirklich wieder von dem Alten heimschicken lassen? Ich meine, wir haben soviel riskiert um hier herzukommen und jetzt, wo wir kurz vor dem Ziel sind, wollt ihr kneifen?“
„Wollen wir doch gar nicht, aber wir können jetzt nicht einfach so losziehen.“
„Warum nicht? Wir kennen den Mann nicht mal und ich wette, er wird froh sein, wenn er uns los ist.“
„Al, wir schulden ihm was. Ich meine, er hat uns bei sich aufgenommen und zu essen gegeben. Ich würde es nicht fair finden, wenn wir einfach verschwinden, verstehst du das nicht?“, warf Rose ein und James nickte zu ihrer Überraschung zustimmend.
„Na, dann nicht“, brummte er und begann den Hügel halb kletternd - halb laufend nach unten zu steigen.
„Er ist ein Sturkopf“, murmelte James. „Ich möchte ja auch nach dem Schatz suchen, aber ich hab mir überlegt, ob wir nicht so tun, als würden wir uns zurückbringen lassen und dann erneut starten. Ich meine, ich hab im Moment ja nicht mal nen blassen Schimmer, wo wir genau sind.“
„Stimmt James. Meinst du, wir könnten vielleicht den Alten danach fragen?“, schlug Hugo vor.
„Bist du verrückt? Der sagt uns das doch nie. Ich wette, der hat Angst, dass wir dann verraten könnten, wo er haust.“ James hatte diese Worte nicht laut, aber dafür so eindringlich ausgesprochen, dass keiner der anderen zu widersprechen wagte.
„Wir warten heute Nacht ab, morgen wollte er uns über den Fluss bringen und dann starten wir nochmal von vorn. Nochmal soviel Pech mit dem Wetter werden wir ja wohl nicht haben.“
Die anderen stimmten mit einem stummen Nicken zu und ihre Blicke folgten Al, der wütend zuerst gegen einen Baum und dann gegen einen Felsen trat.
„Es ärgert ihn ganz schön, was? Doch ich denke, wir haben immer noch genug Zeit, um nach dem sagenumwobenen Schatz zu suchen. Wobei ich nicht mal sicher bin, ob es ihn wirklich gibt.“
„Rosi, wie kannst du so was sagen? Warst nicht du es, die uns erklärt hat, dass die Chancen gut stehen würden, dass es ihn wirklich gibt?“
„Ja, das war ich und ich stehe zu dem, was ich gesagt habe. Aber überlegt mal, wie viele schon danach gesucht haben, und da sollen ausgerechnet wir ihn finden?“ Rosi sah offen von einem zum anderen.
„Dann sag ich dir mal was: Du kannst aufgeben, dann hast du schon verloren, oder du kannst es versuchen, dann kannst du dir immer sagen, dass du es wenigstens probiert hast.“
„James, ich hab nicht gesagt, dass ich aussteigen will, nur, dass ihr das alles viel zu ernst nehmt. Es ist ein Abenteuer. Nicht mehr. Du musst nicht die Welt vor dem Bösen retten oder so. Klar?“
„Ich hab nicht gesagt, dass ich das vorhabe, du drehst mir wieder jedes Wort im Mund herum“, brummte James und sah zu Hugo und Lily, die ihn überrascht anblickten. Er winkte ab, machte auf dem Absatz kehrt und folgte schließlich Al, der inzwischen in Richtung Wald spazierte.
Den restlichen Nachmittag verbrachten Al und James damit zwischen den Bäumen im dichten Wald zu sitzen und Pläne zu schmieden, wobei beide es aber tunlichst vermieden den Zeitpunkt ihres Aufbruches zu erwähnen.
Die Mädchen und Hugo beschäftigten sich derweilen damit, zu überlegen, was sie fürs Abendessen kochen können. Wobei sie, mit Erlaubnis des Einsiedlers, ein paar Dinge aus seinem kleinen Gemüsegarten ernteten und schließlich einen Eintopf davon kochten, dessen Duft sich bald in alle Nasen schlich.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mi Jun 06, 2012 5:01 pm

Ein angenehmes Aroma, das meinen Magen dazu brachte leise und ungehalten zu knurren, weckte mich abermals auf. Erneut musste ich einen Moment lang überlegen, bis mir wieder ins Bewusstsein kam, wo ich war und warum ich hier lag. Noch bevor ich meine Augen aufmachte, lauschte ich ihn mich hinein. Der Schmerz und das heftige Pochen in meinem Bein hatte nachgelassen, auch mein restlicher Körper fühlte sich wohlig an. Ich spürte die Decke auf mir, die mich wärmte, die Schiene an meinem Bein und wieder stieg mir dieser Duft nach etwas köstlichem Essbaren in die Nase. Meine Augen öffneten sich nun von alleine, nach der Quelle suchend, woher der Geruch wohl kommen mochte. Doch stattdessen blickte ich in das Gesicht eines älteren Mannes, der einen Vollbart trug, sein Haar war etwas länger und ein bisschen wild, wenn nicht zu sagen ungepflegt.
Jetzt wusste ich es wieder. Er hatte mir vorhin Tee gegeben. Vorhin? Wie lange mochte das „vorhin“ schon vorbei sein?
„Wie fühlen Sie sich?“, fragte er leise mit rauer Stimme und seine dunklen Augen glitten wachsam über mein Gesicht.
„Schon viel besser. Danke. Die Schmerzen in meinem Bein sind kaum noch vorhanden.“
„Das ist gut. Sehr gut.“ Er nickt zufrieden und erhob sich.
„Haben Sie Hunger?“, wollte er wissen und schob den Hocker, auf dem er gesessen hatte, beiseite.
„Etwas“, log ich und mein nun mächtig laut knurrender Magen strafte mich sofort Lügen. Kaum merklich schmunzelnd schlug der Mann die Decke zurück unter der ich lag.
„Versuchen Sie sich aufzusetzen.“
Während ich mich langsam nach oben drückte, half er mir und schob dann geradezu übervorsichtig meine Beine so, dass sie schließlich aus dem Bett hingen.
„Denken Sie, dass ich das Bein schon belasten sollte?“, ich sah unsicher auf das verbundene Bein und dann wieder zu dem Mann.
„Wenn Sie es nicht zu sehr belasten, geht das bestimmt. Ich werde Sie stützen.“
So nickte ich und rutschte ganz an den Rand. Ich merkt erst jetzt, dass ich ein anderes Shirt trug, eines das in meinem Rucksack gewesen war und eine Trainingshose, die ich auch eingepackt hatte. Zum Glück war es in dem Raum nicht sehr hell, so dass er nicht sah, wie ich etwas errötete, glaubend, dass er mich umgezogen haben musste.
Langsam drückte ich mich hoch, jeden Moment einen Schmerz in meinem Bein erwartend, doch der blieb überraschenderweise aus.
„Wie lange habe ich … geschlafen?“, fragte ich nun, als ich stand und mich an ihm haltend stützte.
„Sie sind seit gestern Morgen hier, wie lange Sie schon verletzt auf dem Berg lagen, weiß ich nicht.“
„Dann hab ich ja fast zwei Tage geschlafen?“ Der Mann zuckte mit den Schultern und führte mich nun langsam, Schritt für Schritt in den nächsten Raum hinein. „Oh, ich hab mich weder bei Ihnen bedankt, noch meinen Namen gesagt. Ich heiße Serenity Jaypes und … vielen Dank für Ihre Hilfe. Ich fürchte, das … werde ich nie wieder gut machen können.“
„Nicht ich habe Sie gefunden, das war Corax“, erklärte er und deutete in den Raum hinein.
Als ich seinem Blick folgte, war ich zuerst erstaunt, denn genau dort saß ein Rabe auf einer Holzstange und ließ sein „Groar“ hören, so als wollte er antworten.
„Nun dann, vielen Dank, Corax.“ Doch dann bemerkte ich die Kinder, die auf dem Sofa oder Diwan beisammensaßen und stumm in meine Richtung starrten.
„Gehören die … zu Ihnen?“, fragte ich überrascht.
„Nein, die waren bei dem schrecklichen Unwetter hier aufgetaucht und konnten bisher nicht zurück, weil der Fluss zu viel Wasser hatte. Morgen bringe ich sie wieder zurück, damit sie nach Hause gehen können.“
Einer der Jungs hatte schon den Mund geöffnet um etwas zu sagen, es wirkte so, als wollte er protestieren, doch das größte Mädchen unter ihnen, hielt ihm einfach den Mund zu.
„Wie ich sehe, bin nicht nur ich Ihnen zu Dank verpflichtet.“
„Schon gut. Ich denke, wir … sollten jetzt essen. Die Kinder waren so nett und haben Eintopf gemacht.“ Nachdem er mich auf den Stuhl gedrückt hatte, ging er seine einzigen drei Teller und Löffel holen. „Ich fürchte wir werden auf Raten essen müssen. Auf soviel … Besuch … bin ich nicht eingerichtet. Vielleicht fangen die Ladies einfach an.“
Nur nach nochmaliger Aufforderung setzten sich die beiden Mädchen, die sich mir als Rose und Lily vorstellten an den Tisch.
„Wie seid ihr denn in diese verlassene Gegend gekommen?“, fragte ich, als wir angefangen hatten zu essen.
„Wir … haben uns bei einer Wanderung verlaufen. Und dann kam das heftige Unwetter. Ich hab noch nie so ein schreckliches Gewitter gesehen.“ Rose versuchte so unbedarft wie möglich zu klingen, doch mich ließ das Gefühl nicht los, dass das nicht die ganze Wahrheit war. Aber ich fragte nicht nach, denn ich wusste, dass Kinder es liebten, ihre kleinen Geheimnisse zu haben. Auch wenn die Kindheit bei mir schon ein paar Tage vorüber war.
„Und was ist Ihnen zugestoßen?“, fragte Lily interessiert nach. Die drei Jungs waren auf dem Sofa geblieben und flüsterten leise miteinander.
Den beiden Mädchen erklärte ich, dass ich auch eine Wanderung hatte machen wollte, die Natur sehen, Fotos machen und so weiter. Ich ließ die Tatsache aus, dass ich im Grunde auf der Suche nach dem Ravenman und einer Story war. Und wenn mich meine Nase nicht ganz täuschte, schien ich ihn gefunden zu haben, bzw. der Rabe und der Mann, hatten mich gefunden und mir dabei auch noch das Leben gerettet.
Das Größere der Mädchen, säuberte die drei Teller, als wir fertig waren und die drei Jungs, sowie der Ravenman, der den Hocker aus dem Schlafraum mitbrachte, setzen sich zu uns, und aßen dann auch etwas.
„Woher kommt ihr?“, fragte ich dann in die Runde und zu meiner Überraschung blickten sich die fünf kurz unsicher an.
„Aus Südengland“, antwortete James für die anderen mit, was nicht mal gelogen war, wie ich später erfahren sollte, auch wenn er sich mit seiner Angabe sehr wage hielt.
„Ich lebe normal in London“, begann ich zu erzählen. Dort arbeite ich für eine Zeitung. Eine sehr trockene Arbeit, wo man viel Zeit hinter dem Schreibtisch verbringen muss. Weshalb ich so ab und an einfach aufs Land abhaue und dort meine Urlaube verbringe. Und Sie …“, diesmal sprach ich den Ravenman an, und hoffte, dass er etwas über sich erzählen würde.
„Ich lebe hier und kümmere mich um meine Ziegen und Hühner.“
Mehr sagte er nicht und begann dann den Tisch abzuräumen. Als ich mich anschickte ihm helfen zu wollen, legte er seine Hand auf meine Schulter.
„Sie ruhen sich noch etwas aus. Sie haben eine Gehirnerschütterung und ihr Bein müssen Sie auch noch schonen.“
„Aber …“, wollte ich protestieren, denn ich fühlte mich erstaunlicherweise wirklich sehr gut.
„Kein, aber“, seine Worte duldeten keinen Widerspruch, woraufhin ich nur nickte und ihm dann nachsah, wie er begann, die Sachen in seiner doch beachtenswerten Fließend-Wasser-Konstruktion zu waschen.
„Was arbeiten Sie in der Zeitung, schreiben Sie Artikel? Wenn ja, welche?“, fragte mich Lily nun mit großen Augen.
„Ja, ich schreibe. Im Grunde alles Mögliche. Mal über eine Veranstaltung, auch über Politisches oder mal über Prominente, aber auch über Menschen wie du und ich. Nur interessant muss es sein.“
„Wow, klingt ja richtig spannend“, warf der kleine Rothaarige ein, dessen Namen ich witzig fand. Denn kaum jemand nannte sein Kind heutzutage noch Hugo.
Dennoch waren alle fünf von ihnen sehr nette und auch wohlerzogene Kinder, auch wenn der Dunkelhaarige nicht sehr viel sprach, im Gegensatz zu den anderen. Nun ja, auch der Ravenman schwieg sich aus, und sprach nur, wenn es unbedingt sein musste.
Dann aber erschrak ich fürchterlich, als der Rabe von seiner Stange flog und auf meiner Schulter landete. Selbst der Ravenman ließ einen der Teller in die Spüle fallen und trat hinter mich.
„Sehen sie ihn nicht an. Raben können einem mit ihren scharfem Schnabel die Augen aushacken“, warnte er mich und ich verharrte mit dem Blick nach vorn auf das älteste Mädchen gerichtet, die nun auch etwas ängstlich zu mir sah. Komischerweise hatte ich gar keine Angst.
„Normalerweise geht er nicht zu Fremden. Ich denke er hat Hunger, und für gewöhnlich sitze ich hier auf dem Stuhl.“ Er reichte mir ein Stück Käse. „Halten Sie es ihm hin“, forderte er mich auf und hob einfach die Hand Richtung des Raben. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie dieser den Kopf etwas hin und her drehte, als würde er den Käse genau beäugen, dann schnappte er sich das große Stück und flog zu der immer noch offen stehenden Türe hinaus.

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mi Jun 06, 2012 5:01 pm

„Tut mir leid, ich hatte den Raben total vergessen.“
„Das macht nichts. Ist ja auch nichts passiert. Haben Sie den Raben dressiert, Mr …?“
„So würde ich das jetzt nicht ausdrücken … ich hab ihn gefunden, er war noch ganz jung und verletzt. Ich hab ihn geh … gesund gemacht und seither ist er bei mir geblieben und hilft mir ab und an Dinge zu finden.“
„Was für Dinge?“
„Kräuter, Beeren, Verletzte“, erzählte er in einem Atemzug, so als wäre es das Normalste und ich, die gerade einen Schluck von dem Tee getrunken hatte, verschluckte mich dabei heftig.
„Haben Sie schon öfters Verletzte hier gehabt?“
„Nein, Sie sind die Erste und hoffentlich auch die Letzte.“
„Kann ich … verstehen“, gab ich leise zurück und er verschwand wieder um den Abwasch fertig zumachen. In der Zeit unterhielt ich mich noch mit den Kindern, woraufhin irgendwann mal Hugo fragte, ob jemand Lust hätte Karten zu spielen. Und da ich sowieso gerade nichts anderes zu tun hatte, willigte ich ein auch mitzuspielen. Der Ravenman selber wollte nicht, er ging zuerst nach draußen und erledigte dort irgendwelche Dinge, um anschließend in dem Raum, in dem ich gelegen hatte, etwas herumzuhantieren.
„Kann einer von euch mal aus dem Schrank neben dem Flaschenregal eine Decke bringen?“, kam es dann aus dem Zimmer nebenan, und da Lily ganz vorn an der Ecke saß, stand sie auf, öffnete den Schrank und zog die Decke heraus. Doch dabei fiel ein schwarzer bauchiger Kasten mit heraus.
„Ist das ein Geigenkasten?“, kam es von James von der Bank her.
„Sieht fast so aus“, antwortet Lily und ergriff ihn, um ihn wieder in den Schrank zu legen.
„Finger weg von den anderen Sachen“, fauchte plötzlich der Alte von der Türe her, ging ungeheuerlich schnellen Schritten, die man nicht erwartet hätte, auf Lily zu und entzog ihr den Kasten.
„Tut mir leid … er, ist rausgefallen, ich wollte ihn nur wieder zurücklegen“, stotterte sie erschrocken.
„Spielen Sie?“, fragte ich und erntete einen fragenden Blick von ihm. „Na, die Geige oder befindet sich kein Instrument darin?“
„Doch, es ist eine Geige darin. Die … hat dem Mann gehört, von dem ich diese … Hütte übernommen habe. Nun ja im Grunde gab es nur diesen hinteren Teil.“
„Was war mit dem Mann, ist er wieder zurück in sein altes Leben?“, wollte James wissen.
„Nein, er war tot“, erklärte der Ravenman knapp.
„Oh“, kam es nun von Lily, die immer noch vor ihm stand und ihn mit großen Augen anblickte. „Bitte spielen sie etwas.“
„Ich fürchte, ich bin nicht gut darin. Ich habe es nie gelernt, nur was ich mir selber so ein wenig beigebracht habe“, erwiderte er skeptisch und sein Blick hing immer noch auf dem Gesicht des kleinen Mädchens.
„Bitteeee“, flehte sie dann, als vom Tisch auch noch ein „Ja bitte“, kam, öffnete er den Kasten.
„Auf eure eigene Verantwortung.“
Lily klatschte begeistert in die Hände und setzt sich wieder neben James, während wir beobachteten, wie er nach der Geige auch den Bogen entnahm.
„Ich hoffe, hier sind keine Musiker dabei, denn ich weiß nicht mal, ob das Instrument richtig gestimmt ist“, erklärte er, sich wieder entschuldigend, legte die Geige dann zwischen Schulter und Kinn und strich mit dem Bogen sanft über die Seiten. Ein paar Mal drehte er an den Knöpfen, bis er glaubte, dass der Ton stimmen würde und dann begann er mit einer kleinen traurigen, aber wunderschönen Melodie. Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine Melodie gehört, in der soviel Gefühl lag. Ich glaubte Trauer, und eine große Menge an Liebe herauszuhören. Es war, als würde diese Melodie ihre kleine eigene Geschichte erzählen, ohne auch nur ein Wort zu sagen.
Federleicht schien der Bogen über die Seiten zu gleiten, und ihnen immer wieder neue klare Töne zu entlocken.
Ergriffen schloss ich die Augen und in meinem Kopf entstanden von alleine Bilder. Nicht wie Fotos oder so, sondern auf einer anderen Ebene, auf der Gefühlsebene. Ich spürte förmlich das Verlagen, die Sehnsucht und gleichzeitig die Verzweiflung und den Schmerz.
Ohne dass ich es verhindern konnte, rannen mir Tränen aus meinen geschlossenen Augen.
Nur der Klang der Geige war zu hören, und sonst durchdrang kein anderer Ton den Raum, der erfüllt war, von dieser unbeschreiblichen Musik.
Erst als der letzte Ton verklungen war und die entstandene Stille fast nicht mehr zu ertragen war, öffnete ich die Augen wieder. Mein Blick glitt über die erstaunten und faszinierten Gesichter der Kinder, die immer noch zu dem Mann blickten, der zart mit den Fingern über das Holz des Instruments strich, wie über das Gesicht einer Frau, die er mal geliebt haben musste. Ich war mir in dem Moment so sicher, dass es so gewesen sein musste.
„Ich sagte doch, dass Sie nicht zu viel erwarten dürfen“, sagte er schließlich leise und begann die Geige fast hektisch wieder in den Kasten zu stecken.
„Nein, bitte packen Sie sie noch nicht gleich wieder ein. Es war … wunderschön. Sie spielen wirklich sehr, sehr gut.“
Nun war er es, der überrascht zu mir schaute.
„Das … ist mein Ernst. Sie haben mit ihrem Spiel mein Herz berührt, das hat noch selten jemand so geschafft, wie Sie gerade eben.“
Er schwieg zuerst, schien in meinem Gesicht in meinen Augen lesen zu wollen, doch dann nickte er und sagte nur leise: „Danke.“
„Wir müssen uns bedanken, dass Sie uns vorgespielt haben.“ Auch die Kinder nickten und bekundeten, dass es ihnen gut gefallen hatte. Nun ja, zumindestens die Mädchen. Al sprach sowieso nicht viel und James, schien einen anderen Musikgeschmack zu haben.
„Ich denke, es wird langsam Zeit, schlafen zu gehen. Wir werden morgen früh gleich zum Fluss aufbrechen. Ich bin sicher, das Wasser ist wieder soweit gesunken, dass wir ihn gefahrlos überqueren können. Mrs Jaypes, ich hoffe es ist für Sie in Ordnung, wenn ich mein Lager neben dem Bett aufgeschlagen habe. Aufgrund der engen Verhältnisse kann ich Ihnen leider kein Einzelzimmer anbieten.
„Nein, das ist in Ordnung und ich werde Ihnen Ihr Bett wieder überlassen, mir reichen auch ein paar Decken oder so.“
„Keine Widerrede, Sie müssen sich noch schonen.“ Dann wandte er sich an die anderen. „Ihr werdet das Licht löschen und die Türe verschließen. Wir wollen ja schließlich keiner Marder oder anderes Getier hier drinnen haben. Bei Sonnenaufgang gehen wir los.“
Da ich davon ausging, dass er mich auch mitnehmen würde, war es mir ganz recht, dass wir nicht zu spät schlafen gingen. Wobei ich insgeheim zugeben musste, dass ich im Moment gar nicht müde war.
So stand ich auf, der Ravenman, der seine Geige wieder aufgeräumt hatte, kam sofort zu mir, die Decke, die Lily für ihn noch hatte holen sollen in der Hand und brachte mich nach hinten.
Während ich mich auf das Bett setzte, wandte er sich nochmal zu den Kindern um.
„Nichts anfassen, was euch nichts angeht“, warnte er sie nochmal.
Als ich das hörte, musste ich schmunzeln. „Man könnte meinen, Sie haben gefährliche Dinge herumstehen.“
„Und wenn es so wäre?“, antwortete er mir. „Ich kenne Kinder, die können ihre Finger nicht bei sich behalten und müssen ihre Nasen überall hineinstecken.“
„Ich glaube nicht, dass die da draußen dazugehören. Sie scheinen mir sehr gut erzogen zu sein.“
„So gut erzogen, dass sie weggelaufen sind?“
„Sie denken, dass sie von zu Hause abgehauen sind?“
„Ja, das denke ich. Aber das soll nicht meine Sorge sein. Ich bringe sie morgen zurück. Ich bin sicher, ihre Eltern werden sie schon suchen und ihnen dann eine Standpauke halten, die sich gewaschen hat.“
„Hoffen wir es mal.“
Er antwortete darauf nicht, sondern breitete seine Decke aus, zog nur seine Jacke aus und legte sich so auf sein provisorisches Lager.
„Danke, für alles.“
„Schon gut“, antwortete er leise und entgegnete meinen Blick kurz. „Brauchen sie noch Licht? Wenn nicht würde ich die Kerze ausmachen.“

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BeitragThema: Re: The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)   Mi Jun 06, 2012 5:02 pm

Es dauerte noch sehr lange, bis ich einschlief, und meine Gedanken kreisten die ganze Zeit um diesen Mann, der neben mir auf dem Boden schlief und auch um die Kinder, die im Nebenraum ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. Würden sie wirklich nach Hause gehen? Wenn sie tatsächlich weggelaufen waren, warum? Wie auch immer, da ich, wie es aussah mit ihnen zusammen zurückgehen würde, wollte ich ein Auge auf die kleine Gruppe haben, bis sie in guten Händen waren. Mit diesem Gedanken und nichts ahnend, was noch auf mich wartete, schlief ich schließlich ein.

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The Ravenman (Kapitel 12 21.06.09)
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